München - Nach dem Abschuss des Braunbären «Bruno» wird die Kritik am Vorgehen der bayerischen Behörden immer schärfer. Die bayerische SPD erneuerte am Dienstag ihre Rücktrittsforderung an Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) und warf ihm illegales Vorgehen bis hin zum Verfassungsbruch vor. Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft eigenen Angaben zufolge mehrere Strafanzeigen gegen den Minister und andere Verantwortliche.
Schnappauf verteidigte den Abschuss erneut. In der «Bild»-Zeitung wies er Forderungen nach seinem Rücktritt scharf zurück: «Das ist völlig absurd, ein typisches Oppositions-Verhalten», betonte der CSU-Politiker. «Hätte ich nichts unternommen und der Bär hätte jemanden angefallen, vielleicht sogar getötet, dann würde die SPD ebenfalls meinen Rücktritt fordern.» Auch die bayerische Staatskanzlei wies die Rücktrittsforderungen als «blanken Unsinn» zurück.
SPD-Fraktionschef Franz Maget betonte dagegen, der Abschuss des Braunbären «war illegal und verstößt gegen geltendes Recht». Er bekräftigte die Rücktrittsforderung: «Wer sich so verhält wie Schnappauf, seine Unfähigkeit im Umgang mit Wildtieren so unter Beweis stellt, kann nicht länger ein Ministerium führen.» Maget kritisierte, dass die Behörden keinen Betäubungsversuch unternommen hätten, obwohl sich das Tier am Wochenende 48 Stunden lang in dem gleichen Gebiet aufgehalten habe. «Kein Mensch wird verstehen, dass man einen Bären, den man schießen kann, nicht auch betäuben kann.»
Es sei unverständlich, dass ein zur Verfügung stehender Polizeihubschrauber nicht eingesetzt worden sei, fügte Maget hinzu. «Präzisionsschützen der Polizei haben Erfahrung mit dem Betäuben von Wildtieren, die beispielsweise sich auf der Autobahn aufhalten», sagte der SPD-Politiker. Auch der aus Abruf stehende Wild-Betäubungsexperte und Münchner Tierpark-Chef Henning Wiesner sei nicht eingesetzt worden. «Wir schämen uns für Bayern», erklärte der Oppositionsführer. Der Braunbär habe keinem Menschen Leid zugefügt: «Das Ministerium handelte nach dem Motto: Nur ein toter Bär ist ein guter Bär und löst die Probleme des Ministeriums.»
Die SPD werde im bayerischen Landtag alle parlamentarischen und juristischen Mittel nutzen, um Antworten auf viele ungeklärte Fragen zu bekommen. Schnappauf habe mit seinem Vorgehen gegen den in der bayerischen Verfassung verankerten Tierschutzartikel verstoßen, ebenso wie gegen das Bundesartenschutzgesetz, das Jagdrecht und zahlreiche internationale Abkommen. Maget erklärte, die SPD prüfe eine Strafanzeige gegen Schnappauf, diese müsse aber juristisch fundiert sein.
Staatsanwaltschaft sieht keinem Anfangsverdacht
Bei der Staatsanwaltschaft München werden bereits entsprechende Ermittlungen geprüft: «Uns liegen nach dem Abschuss des Bären 'Bruno' mittlerweile neun schriftliche Strafanzeigen vor», erklärte der Münchner Oberstaatsanwalt Eduard Mayer. «Sie richten sich teils gegen den Staatsminister Schnappauf, das Umweltministerium allgemein und gegen den oder die betreffenden Jäger.»
Er betonte zugleich, dass bislang kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. «Aber wir prüfen, ob ein strafbares Verhalten vorliegen könnte.» Bisher bestehe aber kein Anfangsverdacht. «Wir werden versuchen, die Sache schnellstmöglich zu prüfen.»
(AP)
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