Frankfurt/Main - Müde reiben sie sich beim ersten Sonnenstrahl die Äuglein. Der Winterschlaf war lang, und die Mägen knurren. Groß ist aber das Entsetzen der Waldtiere, als vor ihren hungrigen Schnauzen plötzlich eine riesige Hecke in den Himmel ragt. Doch der gewiefte Waschbär Richie, der zufällig in das Frühlingserwachen der Waldkommune hineinplatzt, rät ihnen dringend, die grüne Grenze zu überwinden. Denn in der am 6. Juli anlaufenden Trickfilmkomödie «Ab durch die Hecke» erwartet die Tiere hinter der Mauer das Schlaraffenland.
Rund um das Wäldchen hat sich nämlich eine schnieke Neubausiedlung mit konsumfreudigen Bewohnern breit gemacht. Und während in «Madagascar» und «Tierisch wild» Zootiere in den Dschungel ausgewildert wurden, wird hier die realistische Variante geschildert - wilde Tiere, die sich flink den Menschen anpassen. Unter Richies Anleitung werden die Kleintiere zu Meistern des Mundraubes, plündern Mülltonnen und stibitzen Würste vom Grill. Keiner weiß aber, dass der coole Waschbär in der Schuld eines Grizzly-Bären steht, dem er seinerseits den Vorrat geklaut hat. Und auch der Kammerjäger, den die Menschen engagieren, wird bald ziemlich ungemütlich.
Mit seinem neuen, computeranimierten Trickfilmspaß ist das DreamWorks-Studio zufällig den Absonderlichkeiten des hiesigen Alltags dicht auf den Fersen, - auch wenn das kuschelige Viehzeug (den Grizzly mal ausgenommen) dem Schicksal des «Problembären» Bruno, der sich ebenfalls aus menschlichen Futtertöpfen bediente, entgeht. Das clevere Drehbuch nimmt den Dauerkonflikt zwischen Mensch und diebischem Getier zum Anlass für eine pointierte Fabel, die an Jean de la Fontaines Grillen- und Ameisen-Lektion erinnert: Die Tiercharaktere halten den Menschen einen Spiegel vor und werden zum Sprachrohr für zeitgeistige Thesen über Konsumwahn und Junk-Food.
Junk-Food für alle
So ähnelt Schildkröte Verne einem betulichen Bedenkenträger, der auf den Tag genau den Wintereinbruch und die Vorratsmenge vorhersagen kann. Instinktiv misstraut die gepanzerte Spaßbremse dem umtriebig-kreativen Schlawiner Richie, der skrupelloses Genießen propagiert. Doch während Verne noch für Vollwert-Baumrinde plädiert, sind die Geschmacksnerven der putzigen Kinderchen von Familie Beutelratte und Igel schon von Pizzarinde und anderen überwürzten Fast-Food-Resten korrumpiert. Plötzlich ist Hamstern out und Klauen in, und dass das «dolce vita» im Windschatten des Homo sapiens dick und faul macht, wird zumindest angedeutet.
Gegen die menschelnden Pelzträger erscheinen die Menschen, passend zum manikürten Rasen, wie Plastikzombies, deren Ordnungswahn sadistische Züge hat. Ihr Daseinszweck, erklärt Richie, ist Essen, das sie in Riesentüten in Geländewagen heranschaffen. Gegen die gewitzte Tierwelt haben sie keine Chance: Das Opossum tut, was es am besten kann, und stellt sich tot, um die Menschen abzulenken. Das zapplige Eichhörnchen Hammi, ein Verwandter des Nagers Scrat aus «Ice Age», wird mit koffeinhaltigen Softdrinks zu Höchstleistungen gedopt. Und um einen Haustiger zu bestechen, schminkt sich ein kratzbürstiges Stinktier zur Schmusekatze.
Die ideenreiche Komödie präsentiert sich so als perfekter Familienfilm mit satirischer Unterhaltung für Erwachsene und temporeichem Slapstick und knuddeligen Helden für Kinder. Und weil man es sich keinesfalls mit den Kinos verscherzen will, die Nachos und andere leere Kalorien über die Theke reichen, bleibt der Running Gag, Richies von Geschmacksverstärkern ausgelöste Gier auf Mais-Chips (die jeder Glutamat-Junkie nachvollziehen kann) ebenso geistreich wie folgenlos. Das Happy End vereint eine friedlich knuspernde Patchwork-Familie im Fernsehsessel: Der Chips-Nachschub ist gesichert.
Die Stimmen der Tiere: Götz Otto, Bernhard Hoecker, Ralf Schmitz, Heike Schrötter, Salvatore Garth, Kaspar Eichel, Ben Becker, Jeanette Biedermann.
(AP)
Was sind das für grüne Links?
Versicherung
Telefontarife



