Göttingen - Eine Reihe gängiger Umweltchemikalien verändern das Hormonsystem und die Organe von Menschen und Tieren. Nach dreijähriger Forschung haben Wissenschaftler unter Koordination der Universität Göttingen klare Hinweise dafür gefunden, dass Weichmacher aus Nahrungsmittel-Verpackungen, Bestandteile von Sonnencremes, Konservierungsstoffe oder Pestizide zu Veränderungen unter anderem in Hormonsystem, Gehirn, Fettgewebe oder Schilddrüse führen.
So stimulierten pflanzliche Östrogene, die etwa gegen Beschwerden der Menopause oder für das Knochenwachstum eingesetzt werden, im Tierversuch das Brustwachstum sowie die Bildung von Progesteron-Rezeptoren. Zudem beeinflussten die Phytoöstrogene ebenso wie auch Lichtschutzmittel aus Sonnencremes Prozesse der Schilddrüse.
Chemische UV-Filter aus Sonnencremes wirkten, wenn sie direkt in den Körperkreislauf eingebracht wurden, wie weibliche Geschlechtshormone. Die in Sonnenschutzmitteln enthaltene Substanz 4MBC zeigte nach Angaben der Universität Göttingen in hoher Konzentration bei Tieren klare Effekte auf Prostata, Schilddrüse, Gebärmutter und Eierstöcke und führte zu Entwicklungsverzögerungen. «Auch wenn wir bisher keinen Hinweis darauf haben, dass die Sonnencremes schädlich sind, wenn sie auf der Haut angewendet werden, bleibt das Risiko, dass die Substanzen beispielsweise mit dem Badewasser verschluckt werden können», betont der Endokrinologe Wolfgang Wuttke.
Bei Mäusen verstärkten zwei untersuchte Pestizide das Wachstum der Prostata und der Samenblasendrüsen, die die Samenflüssigkeit bilden. Dies könnte etwa bei pubertierenden Jungen unerwünschte Auswirkungen auf die Entwicklung der Prostata oder der Samenblasendrüsen haben. Zudem könnten die Pestizide das Knochenwachstum beeinträchtigen, sagt Wuttke.
(AP)
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