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Geschlossene Fonds: Finanzabenteuer für Kleinanleger

Vorsicht bei monatlichen Sparplänen mit vermeintlichen Mini-Raten - Riskanter als offene Fonds

Berrit Gräber
AP
05.11.2006

Berlin - Viel versprechende Renditechance, scheinbar wenig Risiko, Altersabsicherung plus Steuersparmöglichkeiten: Mit solch rosigen Aussichten umwerben die Anbieter geschlossener Fonds in jüngster Zeit verstärkt private Kleinanleger. Selbst finanzschwachen Bürgern werden massenhaft exotische Schiffsbeteiligungen verkauft, komplexe Private-Equity-Fonds, Anteile an Leasing- oder Immobilienfonds, wie Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beklagt. Wer kein «Spielgeld» auf der hohen Kante hat, sollte jedoch die Finger davon lassen.

Einmal gebunden, lange gebunden: Vielen Anlegern wird erst beim Ausstiegsversuch so richtig klar, warum diese Fondsart «geschlossen» heißt. Wer sich finanziell engagiert, steckt häufig lange Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in einer oft risikobehafteten Anlage fest. Geht das Investment schief, wird ein geschlossener Fonds nicht aufgelöst, kann die Einlage im Extremfall sogar bis über den Tod hinaus gebunden bleiben. Die Geldanlage geht dann womöglich auf die Erben über.

Gar so langfristig stellten sich das nur die wenigsten Sparer vor, gibt Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zu Bedenken. Bevor man sich binde, sollte man sich deshalb genau über Umstände und Nachteile dieser Anlageform aufklären lassen. Inzwischen wird der Kauf geschlossener Fondsanteile immer häufiger zum Finanzabenteuer. Riskant ist ein Engagement in jedem Fall. Wer investiert, wird Mitunternehmer. Damit ist er nicht nur am Gewinn, sondern auch an möglichen Verlusten beteiligt. Ein Totalverlust kann nie ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich gilt: Für geschlossene Fonds werden Anleger angeworben, die größere Investitionsprojekte mitfinanzieren sollen. Die Kapitalsumme ist in der Regel vorher festgelegt. Ist das benötigte Geld eingeworben, wird der Fonds zugemacht, das Projekt umgesetzt - also beispielsweise ein Film gedreht, eine Biogasanlage in Deutschland oder Büropaläste in London gebaut, Schiffscontainer auf Seereisen geschickt. Ob Gewinnprognose wie auch Geschäftskonzept aufgehen, ist ungewiss. Bis vor einigen Jahren hatte die Branche ausschließlich eine vermögende Klientel im Visier. Für diese Kundschaft konnte es sich - nicht zuletzt auch aus steuerlichen Gründen - auszahlen, Mindesteinlagen von 10.000 oder 50.000 Euro und mehr in die meist seriösen Beteiligungsmodelle zu investieren. Die lukrativen steuerlichen Verlustzuweisungen wie bei Medienfonds gibt es seit einem Jahr aber nicht mehr.

Geschlossene Fonds taugen nicht zur Altersvorsorge

Gelockt wird vor allem mit der Möglichkeit, monatliche Mini-Raten von 25 bis zu 100 Euro in Ansparfonds zu investieren, um Rücklagen fürs Alter aufzubauen. Im Gegensatz zu offenen Fonds taugen geschlossene Lösungen aber meist nicht als Ansparplan für die Rente. Dazu kommt das Modell viel zu teuer zu stehen. Von der Einlage gehen bis zu 20 Prozent für Kosten drauf, warnt Ariane Lauenburg von «Finanztest». Ein Sparbetrag von 100 Euro schrumpfe dann gleich mal auf 80 Euro zusammen.

Auch die Konzepte sind nach Angaben Bielers häufig alles andere als stimmig. «Was Profitables kriegen Kleinanleger selten angeboten», so die Erfahrungen des Verbraucherschützers. Vorsicht ist unter anderem bei so genannten «blind pools» geboten, wie Lauenburg mahnt. Bei solchen Modellen weiß der Anleger nicht einmal, in welche Projekte er überhaupt investiert.

Einer der größten Haken: Will der Anleger vor Laufzeitende aussteigen, kann der Verkauf der Anteile zum Riesenproblem werden. Fonds, die nicht gut laufen, «sind schwer verkäuflich», warnt Lauenburg. Auch auf dem so genannten Zweitmarkt seien die Aussichten mau, für schlechtere Produkte einen Käufer zu finden. Immer mehr Fondsanleger in Finanznot versuchten dort zurzeit zu verkaufen. Unter Zeitdruck kriegt man aber selbst erfolgreiche Produkte oft nicht ohne Verluste wieder los.

«Wir raten dringend dazu, die Finger von geschlossenen Fonds zu lassen», so der Tipp Bielers. Normalanleger könnten die Risiken einfach zu wenig abschätzen - und sollten entsprechenden Angeboten schlichtweg die rote Karte zeigen.

 

(AP)

 

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