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Jugendforscher fordert Männerquote bei Lehrern und Erziehern

Als Konsequenz aus Ergebnissen der Shell-Studie – Mädchen hängen Jungen ab – Lehrer und Erzieher überwiegend weiblich

AP
03.01.2007

Bielefeld – Wegen immer schlechterer Bildungschancen von Jungen plädieren Experten für eine geschlechtsspezifische Förderung sowie eine Männerquote für Lehrer und Erzieher. Der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann sagte der AP, die Zahl der Mädchen mit einem hohen Schulabschluss übersteige inzwischen die der jungen Männer. Wegen der niedrigen Männerquote im Erziehungs- und Bildungsprozess fehle Jungen ein flexibleres Rollenbild. Bei ihnen müssten Werte wie Sensibilität, Mitgefühl und Ausdauer geschult werden.

Hurrelmann ist einer der Autoren der Shell-Jugendstudie, die ergeben hat, dass Mädchen im Vergleich zu Jungen ihre Ausgangssituation deutlich verbessern konnten. Laut Statistischem Bundesamt waren im Schuljahr 2004/05 nur rund 36 Prozent der jungen Leute, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verließen, Mädchen. Ihr Anteil bei den Abiturienten lag dagegen bei 56 Prozent. 2005 waren Mädchen bei Realschulabschlüssen, Fachhochschulreife und allgemeiner Hochschulreife in der Überzahl, während bei Hauptschulabschlüssen oder gar keinem Schulabschluss die Zahl der Jungen zum Teil deutlich überwog. Bereits 1995 gab es in Deutschland erstmals mehr weibliche als männliche Abiturienten.

Hurrelmann erklärte, viele junge Frauen seien leistungsstärker und -motivierter als Jungen. Diese hätten weniger Ausdauer und gäben nach Enttäuschungen früher auf. Außerdem seien sie viel stärker als Mädchen einem traditionellen Rollenbild verhaftet. Dagegen hätten die meisten Mädchen die klare Perspektive, Beruf und Familie miteinander zu verbinden. Die Studie habe ergeben, dass sich 40 Prozent der jungen Frauen an einem flexiblen Rollenbild orientierten. Weitere 40 Prozent könnten sich einen Kompromiss vorstellen, und nur 20 Prozent hingen dem klassischen Rollenbild an. Bei den Männern sei es genau umgekehrt.

Ihre Unflexibilität benachteilige junge, traditionell denkende Männer, sagte Hurrelmann. Heute seien Multitasking und Kommunikationsfähigkeit gefragt, nicht körperliche Stärke: „Das traditionelle Männerbild steht sich am Ende selbst im Weg.“

Mädchenförderung stärker im beruflichen Bereich%)

Die unterschiedliche Entwicklung bei Jungen und Mädchen könnte laut Hurrelmann damit zusammenhängen, dass jungen Männern Hinweise auf ein flexibleres Rollenbild fehlten. Im Erziehungs- und Bildungsprozess seien Männer kaum vertreten, ein Erzieher im Kindergarten sei ja schon eine erlebnispädagogische Sensation. Tatsächlich waren in Deutschland im Schuljahr 2005/06 rund 68 Prozent der Lehrer Frauen, in den neuen Bundesländern lag ihr Abteil sogar bei etwa 80 Prozent. Vor allem in den Grundschulen unterrichten fast nur Frauen, aber auch in allen anderen Schularten stellen sie die Mehrheit.

Hurrelmann forderte Veränderungen bei der Jungen- und Mädchenförderung. Für die Schule müssten viel geschlechtssensiblere Unterrichtsmethoden entwickelt werden, um die jeweiligen Leistungsstärken herauszulocken, sagte er. Auch dürfe die Mädchenförderung nicht wegfallen. Sie müsse aber in den beruflichen Bereich verlagert werden, denn hier schlage sich die gute Ausbildung und Leistungsbereitschaft vieler junger Frauen nicht nieder. Ihr Selbstbewusstsein müsse gestärkt werden, denn vielen Frauen fehle im Beruf „der Mut zur harten Konkurrenz“.

 

(AP)

 

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