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Bohrbeginn für unterirdische CO2-Lagerung

Wissenschaftler wollen Kohlendioxid unter die Erde pumpen – Kurzfristige Entlastung für Weltklima erhofft

AP
27.02.2007

Arbeiter Helmut Ludanek bereitet die Bohrmaschine vor, mit der die erste Bohrung fuer ein Pilotprojekt zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid im brandenburgischen Ketzin begonnen wird. (Fotos: AP Photo/Sven Kaestner)

Ketzin – Für ein europaweit einmaliges Testprojekt zur unterirdischen Speicherung des Klimakillers Kohlendioxid haben am Dienstag im brandenburgischen Ketzin symbolisch die Bohrungen begonnen. Unter Leitung des Potsdamer Geoforschungszentrums (GFZ) sollen in mehr als 700 Meter Tiefe unter der Kleinstadt in den kommenden zwei Jahren 60.000 Tonnen CO2 eingelagert werden, wie der GFZ-Vorstandsvorsitzende Rolf Emmermann sagte. „Wir testen damit eine Übergangstechnologie, wie der CO2-Ausstoß gesenkt werden kann.“

Mit dem Projekt soll untersucht werden, ob die langfristige unterirdische Einlagerung von Kohlendioxid zur Senkung der Klimabelastung praktikabel ist. Mehrere Energiekonzerne arbeiten derzeit an Techniken, mit denen das bei der Stromerzeugung mit Kohle in großen Mengen entstehende CO2 abgetrennt und gespeichert werden kann. Der Vattenfall-Konzern hat bereits mit dem Bau einer Pilotanlage im brandenburgischen Schwarze Pumpe begonnen, die 2008 in Betrieb gehen soll.

Über das Bohrloch, mit dem am Dienstag begonnen wurde, soll ab Mitte Juni Kohlendioxid in mehr als 700 Meter Tiefe geleitet und in einer dort vorhandenen Salzlösung in porösem Sandstein gespeichert werden. „Nach oben wird nichts entweichen, weil der Sandstein von zwei absolut dichten Tonschichten abgedeckt wird“, sagte Emmermann. Über zwei weitere Bohrungen soll beobachtet werden, wie sich das CO2 in der Tiefe ausbreitet, das in 700 Meter Tiefe bei etwa 35 Grad Temperatur und einem Druck von 80 Bar ein Zwischenstadium zwischen gasförmig und flüssig einnimmt.

„Die Menge, die wir pro Jahr speichern, entspricht etwa dem Kohlendioxid, das die Potsdamer Bevölkerung im selben Zeitraum ausatmet“, erklärte Emmermann. Er betonte, dass mit der CO2-Speicherung unter der Erde nur Zeit für die Entdeckung und Einführung CO2-freier Energieerzeugung gewonnen werden könne. Langfristig sei die Technologie nicht für den Klimaschutz geeignet, weil sie sehr teuer und energieaufwendig sei. Um kurzfristig den CO2-Ausstoß zu senken, sei dessen unterirdische Einlagerung eine Möglichkeit.

Das Ketziner Pilotprojekt ist eines von weltweit vier ähnlichen Versuchen zur Kohlendioxid-Speicherung, wobei dem GFZ zufolge nur ein australischer Versuch in Tasmanien vergleichbare Ausmaße hat. An den GFZ-Untersuchungen sind zehn europäische Länder beteiligt, die Europäische Union fördert die Forschungen mit 35 Millionen Euro.

http://www.gfz-potsdam.de/

 

(AP)

 

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