Brüssel – Die EU-Kommission hat einen Fahrplan zur Senkung des Energieverbrauchs von Privathaushalten vorgelegt. Durch die Einführung von Mindeststandards für die Umweltverträglichkeit von Wasserhähnen und Fenstern sollten die Strom- und Heizkosten gesenkt und gleichzeitig die Klimabilanz jedes einzelnen Verbrauchers verbessert werden, erklärte EU-Industriekommissar Günter Verheugen am Mittwoch in Brüssel. Die Standards sollen allerdings von der Industrie selbst festgelegt werden.
„Unsere bevorzugte Lösung ist, dass die Industrie die Standards selber schafft. Die Kommission wird dann eingreifen, wenn das nicht geschieht“, sagte Verheugen. Eine Frist setzte die Kommission aber nicht.
Mindestnormen für den Energieverbrauch gibt es bislang nur für elektrische Geräte wie Kühlschränke und Computer sowie für Heizungsanlagen. Die EU-Kommission fordert nun EU-weit verbindliche Vorgaben auch für Geräte und Materialien, deren Qualität sich unmittelbar auf den Energieverbrauch auswirkt, so wie Fenster oder Dämmstoffe. Auch moderne Duschköpfe und Kräne trügen wegen des geringeren Warmwasserverbrauchs zum Energiesparen bei, erläuterte die Kommission. Nach Berechnungen der Brüsseler Behörde könnte die Nutzung moderner Geräte und Dämm-Materialien den Energieverbrauch in Gebäuden bis 2030 um 30 Prozent senken.
Öko-Kennzeichnung soll ausgeweitet werden
Zugleich will die Kommission Angaben zum Energieverbrauch von Produkten, wie sie von Waschmaschinen oder Kühlschränken bereits bekannt sind, für weitere Verbrauchsgüter verpflichtend machen. Auch hier sollen neben Haushaltsgeräten zum Beispiel Fenster erfasst werden. Einzelheiten stehen aber noch nicht fest.
Neben dieser verpflichtenden Kennzeichnung soll auch der Anwendungsbereich für das freiwillige EU-Öko-Label ausgedehnt werden. Mit diesem Label werden auf Antrag des Herstellers besonders umweltfreundliche Waren ausgezeichnet. Bislang ist sein Anwendungsbereich auf 26 Produktkategorien beschränkt – darunter Reinigungsmittel, Textilien und Schuhe. Um den Unternehmen mehr Anreize zur Einführung umweltfreundlicher Herstellungsmethoden zu bieten, soll diese Liste bis 2015 auf 40 bis 50 Produktgruppen ausgeweitet werden. Künftig könnten dann zum Beispiel auch umweltfreundlich produzierte Lebensmittel und Getränke mit dem Öko-Label ausgezeichnet werden.
Umweltministerium fordert strenge Kontrolle von Öko-Label
Das Bundesumweltministerium begrüßte den Aktionsplan. „Auch der Konsum muss einen Beitrag leisten, um die ehrgeizigen europäischen Klimaschutzziele zu erreichen“, erklärte Staatssekretär Matthias Machnig in einer Pressemitteilung. Das von der Kommission vorgeschlagene Verfahren zur Vergabe des Öko-Labels sei aber nicht streng genug. Das Umweltministerium sehe den Ansatz „einer Selbstdeklaration der Hersteller mit späterer stichprobenartiger Überprüfung als problematisch an“, erklärte Machnig. (AP)
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