Berlin – Erika Steinbach eckt oft an: Die CDU-Abgeordnete und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen mischt sich seit Jahren in die Erinnerungsdebatte ein und macht sich damit weder im Inland noch in Osteuropa Freunde. Sie hat mit ihrer Hartnäckigkeit aber auch einiges erreicht: einen Kompromiss in der Entschädigungsfrage und einen Beschluss zur Errichtung eines Dokumentationszentrums gegen Flucht und Vertreibung. Steinbach, die erst im April für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt worden war, wird am Freitag 65.
Als Steinbach am 1. Mai 1998 zur BdV-Präsidentin gewählt wurde, war dies in zweierlei Hinsicht etwas Neues: Zum ersten Mal bekam der Verband eine Frau als Vorsitzende. Zudem hat die neue Vorsitzende keine bewusste Erinnerung an ihre alte Heimat.
Zu Steinbachs Verdiensten gehört, dass sie den zwei Millionen Mitglieder umfassenden Verband konsequent von rechtsradikalen Kräften abgegrenzt hat. Sie legte Wert darauf, dass der BdV für alle Parteien wieder gesprächsfähig wurde.
Steinbach setzte sich unter anderem für die Entschädigung der Vertriebenen ein. Damit sorgte sie vor allem in Polen für Aufruhr. Das polnische Nachrichtenmagazin „Wprost“ veröffentlichte 2003 auf seiner Titelseite eine Fotomontage, auf der Steinbach mit Nazi-Uniform bekleidet ist und auf dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder reitet.
Dass sie sich zu einer „innerstaatlichen Lösung“ ohne Forderungen an Polen oder Tschechien bereiterklärte, brachte ihr Kritik in den eigenen Reihen ein. Im Sinne der Versöhnung zeigte sie sich zu einer „materiellen Nulllösung“ bereit. Von den Entschädigungsforderungen der Vertriebenenorganisation Preußische Treuhand an Polen distanzierte sie sich.
Dass die Bundesregierung im März nach jahrelangem Streit die Errichtung eines „sichtbaren Zeichens“ gegen Flucht und Vertreibung beschlossen hat, registriert Steinbach mit Genugtuung. Sie fordert eine angemessene Beteiligung des Verbandes an der Gestaltung der Gedenkstätte. Ob sie selbst ins Aufsichtsgremium berufen wird, ließ die Bundesregierung bislang offen.
Musikerkarriere als Geigerin begonnen
Die Vertriebenenpräsidentin wird gerne als „Frau der starken Worte“ bezeichnet. Die als konservativ geltende Politikerin liebt allerdings auch zarte Töne, zumindest in der Musik. Mit 17 Jahren studierte sie Musik und verdiente anschließend als Geigerin ihren Lebensunterhalt. Diesen Beruf musste sie aber wegen einer chronischen Fingerentzündung aufgeben.
Steinbach wurde am 25. Juli 1943 im westpreußischen Rahmel als Erika Hermann geboren. Nach der Vertreibung wuchs Steinbach ab 1950 in Hanau auf. 1974 trat die Informatikerin und Diplomverwaltungswirtin in die CDU ein. Ihre politische Karriere machte die Protestantin über den Kreis- und Landesverband in Hessen und die CDU-Frauenunion. Seit 1990 sitzt sie im Bundestag.
Ihre westpreußische Heimat hat Steinbach als Kind nicht bewusst erlebt. Sie erinnert sich jedoch noch an Vertreibung und Flucht und die mageren Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.
http://www.bund-der-vertriebenen.de/ (AP)



