Wien – In einem Labor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Österreich ist hochgiftiges Plutonium ausgetreten. Wie die Behörde mitteilte, platzte eine kleine versiegelte Flasche, in der Plutonium aufbewahrt wurde. Dabei sei in einem Lagerraum eine kleine Menge des hochradioaktiven Materials entwichen. Nach Angaben des österreichischen Umweltministeriums wurde außerhalb des Laborbereichs keine erhöhte Strahlung gemessen.
Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls in der Nacht zum Sonntag habe sich niemand in dem Labor aufgehalten, teilte die IAEA mit. Eine Beteiligung Dritter könne ausgeschlossen werden, sagte Sprecher Ayhan Evrensel auf die Frage, ob jemand in das Labor eingedrungen und die Flasche dabei zu Bruch gegangen sein könnte. Die Flasche sei in einem Tresor verschlossen gewesen. Aus IAEA-Kreisen verlautete laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA, die Flasche sei vermutlich geplatzt, weil durch Gase, die das Plutonium im Inneren des Behältnisses freisetze, ein Überdruck entstanden sei. Die UN-Behörde kündigte eine Untersuchung an.
Die in Wien ansässige IAEA ist die Atomaufsicht der Vereinten Nationen. Das Labor in Seibersdorf 35 Kilometer südlich von Wien wird von der Organisation zur Untersuchung von Proben genutzt, die weltweit von Inspektoren in Atomeinrichtungen eingesammelt wurden. Die Experten waren mit ihren Untersuchungen unter anderem an der Aufdeckung des iranischen Atomprogramms beteiligt. Während des Irak-Konflikts 2002/2003 lieferten sie Belege dafür, dass der Irak sein Nuklearprogramm nicht wieder aufnahm. Die bei den Missionen genommenen Proben wiegen meist nur wenige Gramm. Allerdings ist Plutonium so giftig, dass schon winzige Mengen bei direktem Kontakt Krebs auslösen können.
IAEA verweist auf Sicherheitssysteme
Das Labor wurde in den 70er Jahren eingerichtet und gilt inzwischen als veraltet. IAEA-Sprecher Evrensel betonte jedoch, dass der Zwischenfall nichts mit dem Alter des Labors zu tun habe.
Die IAEA verwies laut APA darauf, dass das Labor mehrere Sicherheitssysteme habe, unter anderem einen Luftfilter zur Entfernung von radioaktiven Partikeln aus der Abluft. Zudem gebe es eine ständige Messung des Plutoniumgehalts im Labor. Dieses System schlage bei der geringsten Abweichung vom Normalwert Alarm, was auch bei dem Vorfall am Sonntag der Fall gewesen sei. Ein erhöhter Plutoniumwert sei in jenem Raum, in dem die Flasche aufbewahrt worden sei, sowie in zwei weiteren Räumen festgestellt worden. (AP)
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