Berlin – Im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen hat die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing erneut flächendeckende Testkäufe vorgeschlagen. „In Kneipen, Kiosken, Tankstellen und Geschäften müssen regelmäßig jugendlich aussehende Testkäufer überprüfen, ob sie nach dem Ausweis gefragt werden“, sagte die SPD-Politikerin der „B.Z. am Sonntag“. Ein schärferes Vorgehen forderte auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB).
In einzelnen Bundesländern ist es bereits Praxis, ältere Jugendliche testhalber beispielsweise Alkoholika kaufen zu lassen, um schwarze Schafe unter den Händlern zu überführen. Das Thema wird allerdings seit Monaten kontrovers diskutiert.
Der Berliner „Tagesspiegel“ hatte Mitte der Woche in eigener Sache berichtet, dass das Landeskriminalamt gegen das Blatt ermittele, weil es zu Recherchezwecken eine 15-Jährige angeblich habe Testkäufe vornehmen lassen.
Bätzing verteidigte ihren Vorstoß mit dem Hinweis, Testkäufe hätten „nichts mit Spitzelei, sondern mit korrekter Kontrolle zu tun“. Außerdem sollten die Behörden stärker durchgreifen, sagte sie. „Wer unerlaubt Alkohol verkauft, dem drohen Geldbußen bis zu 50.000 Euro. Diese Geldbußen müssen die Behörden auch im Alltag verhängen. Mündliche Verwarnungen reichen nicht.“
Bätzing schlug die Einführung eines neues Schulpflichtfachs „Gesundes Leben“ nach englischem Vorbild vor. „Dabei geht es um gesunde Ernährung, Aufklärung über Drogengefahren, Bewegung und ein gesundes Selbstbewusstsein zur Stärkung der Lebenskompetenz“, erklärte sie.
Kein Alkohol zwischen 22 und 5 Uhr
Der Gemeindebund forderte, den Verkauf von Alkohol an Tankstellen, Kiosken und Supermärkten nach 22 Uhr bis 5 Uhr morgens zu verbieten. Die dazu von Baden-Württemberg auf den Weg gebrachte Gesetzesinitiative sei „ein richtiger Schritt“ gewesen, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Rheinpfalz am Sonntag“. „Notwendig sind auch Alkoholtestverkäufe, um die Einhaltung des Jugendschutzes wirksam zu kontrollieren“, sagte er. Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen habe ein „erschreckendes Ausmaß“ angenommen.
Die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) will derweil schärfer gegen den Missbrauch tilidinhaltiger Schmerzmittel vorgehen, deren Gebrauch vor allem unter Jugendlichen angesagt ist. „Man hat Tilidin viel zu lange nicht als Droge wahrgenommen, wir haben das Problem unterschätzt“, sagte sie dem „Spiegel“. Von der Aue habe Strafgefangene der Berliner Jugendstrafanstalt in Plötzensee im Rahmen der üblichen Drogentests erstmals auf Tilidin testen lassen. Nach Cannabis sei es dort die am meisten konsumierte Droge, berichtete das Nachrichtenmagazin. (AP)
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