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Polizeigewerkschaft verärgert Fußball-Bundesliga

DFB solle 50 Millionen Euro für Schutz der Spiele zahlen – Rechtslage spricht dagegen

AP
12.08.2008

Polizistin mit ihrem Hund am Spielfeldrand. (AP Photo/Wolfram Steinberg, File)
Polizeibeamte überwachen den Zuschauerverkehr. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert kurz vor dem Start der Fussball-Bundesliga, dass die Vereine für die Polizei-Einsätze in den Stadien selbst zahlen. "Wir verlangen 50 Millionen Euro vom DFB", sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt der "Bild"-Zeitung am Montag, 11. Aug. 2008. "So viel kostet der Einsatz der Beamten jede Saison - Geld, das bisher die Steuerzahler aufbringen mussten, um Jungmillionäre in kurzen Hosen zu schützen." (AP Photo/Michael Sohn, Archiv)

Frankfurt/Main – Wenige Tage vor dem Start der Fußball-Bundesliga sorgt die Deutsche Polizeigewerkschaft für Wirbel: Ihr Chef Rainer Wendt forderte die Vereine auf, für die Polizei-Einsätze in den Stadien zu zahlen. „Wir verlangen 50 Millionen Euro vom DFB“, sagte Wendt der „Bild“-Zeitung. „So viel kostet der Einsatz der Beamten jede Saison – Geld, das bisher die Steuerzahler aufbringen mussten, um Jungmillionäre in kurzen Hosen zu schützen.“ DFL und DFB lehnten eine Kostenübernahme ab und kritisierten die Forderung als populistisch.

Die zum Deutschen Beamtenbund gehörende Gewerkschaft hob hervor, dass Polizisten zum Beispiel in der Saison 2006/2007 insgesamt rund 975.000 Arbeitsstunden für die Fußballvereine leisteten. „Das entspricht der Jahresarbeitsleistung von 960 Polizisten“, sagte Wendt. Dabei seien 4.394 Strafverfahren eingeleitet und 71 Polizisten bei Ausschreitungen verletzt worden. „Unsere Männer haben es nach den vorliegenden Zahlen an jedem Wochenende mit über 10.000 potenziellen Gewalttätern zu tun“, erklärte Wendt.

Der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach, erwiderte, die Gewerkschaften diskreditierten sich mit solch unsachlicher Polemik nur selbst. Für den Ordnungsdienst zahlt der DFB nach eigenen Angaben zwischen 100.000 und 150.000 Euro bei jedem Länderspiel. Bei der Verkehrsregelung und möglichen Straftaten gelte das Monopol der Polizei, betonte Niersbach. „Und dafür zahlen wir Steuern. Bezahlte Polizei-Einsätze bei Veranstaltungen kämen daher einer Doppel- und Dreifach-Besteuerung für den DFB gleich.“ Der Präsident der Deutschen Fußball-Liga, Reinhard Rauball, betonte, die Vereine brächten dem Staat mehr als eine halbe Milliarde Euro Steuern und Abgaben ein und gebe mehr als 34.000 Menschen Arbeit.

Kritik auch von der GdP

Die im Deutschen Gewerkschaftsbund organisierte Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte ebenfalls die DPolG. Der Vorsitzende Konrad Freiberg sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstagausgabe): „Das ist ein netter Vorstoß im Sommerloch, der mit der Realität aber nicht viel zu tun hat.“

Nach Auffassung des Innenministers von Sachsen-Anhalt, Holger Hövelmann, können Polizei und Fußballvereine die Probleme mit Hooligans nur in enger Sicherheitskooperation lösen. „Wo das nicht klappt, bin ich der Meinung: Vereine, die nicht vernünftig mit der Polizei kooperieren und nicht klare Kante gegen Gewalt zeigen, sollten für die entstehenden zusätzlichen Kosten von Polizeieinsätzen zur Kasse gebeten werden“, sagte Hövelmann.

Dagegen erklärten die Sprecher der anderen Innenministerien wie Nicola Rothermel in Berlin: „Das ist schon durch die Steuergelder abgegolten.“

In Bremen kosteten Einsätze bei Bundesliga und Champions League in der Saison 2007/08 insgesamt 1,4 Millionen Euro, wie der Sprecher des Innen- und Sportressorts mitteilte. 3.709 Beamte wurden abgestellt, die 26.100 Arbeitsstunden leisteten.

Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern erklärte, zunehmend machten auch Ausschreitungen im Amateur-Fußball aufwendige Polizei-Einsätze erforderlich. (AP)

 

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