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15 bis 20 Tornados in Deutschland

Zahl sehr zerstörerischer Tornados könnte zunehmen

Wegen des Klimawandels – Bislang aber kein Anstieg messbar – Weltweit höchste Windgeschwindkeiten bis 500 km/h

Angelika Bruder
AP
14.08.2008

Ein Tornado fegt am 10. Juni 2008 über Orchard, Iowa, USA hinweg. Der Klimawandel könnte auch Deutschland mehr tödliche Tornados bringen. "Kommt es allerdings im Sommer zu immer heftigeren Gewittern, wächst das Risiko sehr zerstörerischer Tornados", sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Donnerstag, 14. Aug. 2008, der Nachrichtenagentur AP. (AP Photo/Lori Mehmen)

Frankfurt/Main – Der Klimawandel könnte auch Deutschland mehr tödliche Tornados bringen. „Kommt es im Sommer zu immer heftigeren Gewittern, wächst das Risiko sehr zerstörerischer Tornados“, sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. „Man kann nicht sagen, dass es mehr Tornados geben wird, es kann sogar sein, dass es weniger werden, aber womöglich werden sie schwerer.“

Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt RegioExAKT, das Auswirkungen des Klimawandels auf die Tornadohäufigkeit und -schwere untersucht, kommt zu ähnlichen, allerdings noch vorläufigen Ergebnissen. „Vermutlich wird es in den nächsten 10 bis 20 Jahren noch keinen mittleren Anstieg geben. Aber danach, ab 2030, deutet sich ein Trend an, dass es besonders heftige Jahre und dann wieder besonders ruhige Jahre geben könnte“, sagte Projektleiter Nikolai Dotzek, der im Hauptberuf am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beschäftigt ist.

Jetzt gibt es diese Entwicklung nach übereinstimmenden Angaben von Friedrich und Dotzek meteorologisch noch nicht, auch wenn dies in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen werde. „Derzeit gibt es in den Beobachtungszahlen weltweit nirgendwo einen Trend, dass es mehr schwere Tornados gibt. Die Zahlen aus den USA für die drei höchsten Tornadostufen F3 bis F5 sind fast genauso hoch wie vor 80 Jahren“, sagt Dotzek.

„Die Dunkelziffer nimmt ab“

Bei den niedrigeren Stufen F0 und F1 und teilweise F2 gibt es dagegen nach Angaben des Klimaforschers dagegen eine „riesige Zunahme“, die aber zum allergrößten Teil von einem „Beobachtungseffekt“ hervorgerufen werde. „In Deutschland und ganz Europa gibt es in den letzten Jahren dramatisch steigende Meldungszahlen. Es sind aber nicht mehr geworden, sie werden nur eher gemeldet“, sagte Dotzek, der auch die Internet-Datenbank ESWD betreibt.

DWD-Experte Friedrich sieht das genauso: „Es gibt eine erhöhte Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der Medien. Die Dunkelziffer nimmt ab.“ Außerdem habe sich auch bei den Wetterforschern bei der Beobachtung einiges getan: So kooperiert der DWD mit sogenannten Stormchasern – „Sturmjägern“. Diese im Verein Skywarn zusammengeschlossenen „Wetterfreaks“, wie Friedrich sagte, bekommen exklusiv vom Wetterdienst hochaufgelöste Radarbilder und „jagen“ mit Laptop und Fotoausrüstung möglichst nah an das immer nur sehr lokal auftretende Wetterereignis, melden es mit genauer Ortsangabe an die DWD-Zentrale, die wiederum in kürzester Zeit entsprechende Unwetterwarnungen herausgeben kann.

Potenziell größte Zerstörungskraft

Tornados sind die Stürme mit der potenziell größten Zerstörungskraft. Ihren Windgeschwindigkeiten – mit bis zu 500 Stundenkilometern die höchsten, die es überhaupt gibt – hält im schlimmsten Fall kein Steinhaus stand.

Im weitesten Sinne sind Tornados Wirbelstürme. Sie entstehen bei extremen Temperaturunterschieden in der Luft, die kräftige Druckunterschiede erzeugen. Dadurch entstehen in Gewitterwolken starke Aufwinde, in denen die Luft zu rotieren beginnt. Es entsteht ein „Rüssel“ aus Staub und Wassertropfen mit einem Durchmesser von wenigen hundert Metern. An seinem Rand werden Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Stundenkilometern erreicht. Wenn dieser Wirbel bis auf den Boden reicht und dort Schäden verursacht, spricht man traditionell in Deutschland von einer Windhose.

Tornados wirken im Gegensatz zu Hurrikanen und Orkanen relativ kleinräumig und kurzzeitig, weil sie nur eine begrenzte Reichweite haben. Sie bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 100 Stundenkilometern fort und hinterlassen einen Streifen der Verwüstung von fünf bis zehn Kilometern, im Extremfall sogar bis zu 300 Kilometern Länge und einigen hundert Metern Breite.

Anders als lange angenommen, sind Tornados in den USA und Deutschland ähnlich oder sogar gleich – sowohl was die von ihnen verursachten Schäden als auch was ihre Entstehungsursache angeht. Rund 15 bis 20 Tornados werden pro Jahr in Deutschland registriert, die meisten davon im Sommer. Aber auch im Januar, wie im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dem Orkan „Kyrill“, kann es Tornados geben, wie Friedrich sagte.

Letzter F4-Tornado in Deutschland 1968 in Pforzheim

Ähnlich wie die Richter-Skala für Erdbeben gibt es für Tornados die sogenannte Fujita- oder F-Skala zur Messung der Intensität. Da es nur selten verlässliche Messungen der tatsächlichen Windgeschwindigkeiten gibt, wird die Schwere des Tornados über die von ihm verursachten Schäden ermittelt. Grob unterscheidet man Tornados in schwach (F0 und F1), stark (F2 und F3 ) und verheerend (F4 und F5). Die jeweiligen Windgeschwindigkeiten entsprechen grob der Stufe mal Faktor 100. Bei dem F4-Tornado, bei dem Anfang August im nordfranzösischen Hautmont drei Menschen starben, herrschte demnach etwa Tempo 400.

In Deutschland gab es zuletzt 1968 in Pforzheim einen Tornado dieser Stärke. Statistisch wäre bei einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Jahren demnächst wieder ein F-4er fällig. Ein F5-Tornado wurde laut Friedrich noch nie verlässlich in Deutschland gemessen. In den USA ist ein solcher schwerster Tornado dagegen etwa alle zehn Jahre wahrscheinlich. Vor allem der mittlere Westen um den Staat Oklahoma ist besonders betroffen. (AP)

 

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