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Sylt

Greenpeace wirft erneut Steinbrocken in Nordsee

Zweiter Einsatz am Sylter Außenriff – Umweltministerium und Fischereiverband kritisieren die Aktion

AP
18.08.2008

Das Greenpeace-Schiff 'Noortland' versenkt am12. August 2008 schwere Granitsteine am Sylter Aussenriff in der Deutschen Bucht. Die Umweltschutzorganisation hat ihre umstrittene Aktion zum Schutz eines Naturschutzgebietes in der Nordsee fortgesetzt. Eine Woche nach dem Start wurden am Montag, 18. August 2008, weitere tonnenschwere Steine westlich der Insel Sylt versenkt, wie Greenpaece in Hamburg mitteilte. Ziel sei, die das Naturschutzgebiet am Sylter Außenriff vor der Zerstörung durch Grundschleppnetze sowie Sand- und Kiesabbau zu schützen. (AP Photo/Axel Heimken, Archiv)
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Hamburg – Greenpeace hat seine umstrittene Aktion in einem Naturschutzgebiet westlich von Sylt fortgesetzt: Am Montag wurden zum zweiten Mal tonnenschwere Steine in der Nordsee versenkt, wie die Umweltschutzorganisation mitteilte. Ziel sei, das Naturschutzgebiet am Sylter Außenriff vor der Zerstörung durch Grundschleppnetze sowie Sand- und Kiesabbau zu schützen. Das Bundesumweltministerium kritisierte dies als „rechtswidrige Handlung“ und „substanzlose PR-Aktion“. Der Fischereiverband sprach von einer „bodenlosen Sauerei“.

Am vergangenen Dienstag hatte Greenpeace die ersten 40 von insgesamt rund 1.000 Steinen versenkt, um zu verhindern, dass in dem Areal mit Schleppnetzen gefischt und mit schweren Saugbaggern Sand und Kies abgebaut wird. „Grundschleppnetzfischerei pflügt den Meeresboden regelrecht um. Und das in einem Gebiet, das seit vier Jahren als Schutzgebiet gemeldet ist“, sagte Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn. Umweltminister Sigmar Gabriel sollte die gesamte Fischerei im Sylter Außenriff sowie den Sand- und Kiesabbau verbieten.

Die Umweltschützer betonten, bei den rund einen Kubikmeter großen und drei Tonnen schweren Brocken handle es sich um Natursteine, die beim Wiederaufbau von beschädigten Riffen helfen. Eine Gefahr gehe davon nicht aus, da die Positionen regelmäßig den Wasserschutzdirektionen und den Fischereiverbänden mitgeteilt würden.

BMU erarbeitet Maßnahmen gegen negative Fischereipraktiken

Laut Bundesumweltministerium ist das Einbringen von Steinen in die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) eine rechtswidrige Handlung. „Sie fällt unter das ausdrückliche Verbot nach dem Hohe-See-Einbringungsgesetz, Abfälle und sonstige Stoffe und Gegenstände in die Hohe See einzubringen“, erklärte ein Ministeriumssprecher und fügte hinzu: „Die Aktion ist darüber hinaus naturschutzpolitisch unseriös und erkennbar eine substanzlose PR-Aktion.“

Kein anderer EU-Mitgliedstaat sei bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten so weit wie Deutschland, das rund ein Drittel seiner AWZ-Fläche gemeldet habe. Das Umweltministerium entwickelt dem Sprecher zufolge derzeit Maßnahmen, um die negativen Auswirkungen bestimmter Fischereipraktiken zu minimieren. Über Beschränkungen müsse jedoch abschließend der EU-Fischereirat entscheiden, über den Sand- und Kiesabbau die Länder.

Fischereiverband erwägt, Steine liegen zu lassen

Der Verbandspräsident der Küsten- und Kutterfischer, Norbert Kahlfuss, kritisierte die Greenpeace-Aktion. Sie sei ein schwerer Eingriff in die Berufsausübung der Fischer und widerspreche jeglichem Recht und Gesetz. Der Verband unterstütze deshalb die Klagen von betroffenen Fischer. „Wir haben uns zusätzlich an die entsprechenden staatlichen Behörden gewandt, diesem Treiben ein Ende zu bereiten und Strafen zu verhängen“, sagte Kahlfuss.

Noch sei offen, ob der Verband auf ein Wiederaufnehmen der versenkten Steine bestehen oder lediglich eine Markierung der Gefahrenstellen fordern werde, sagte Kahlfuss. Auf jeden Fall habe die Aktion zunächst eine verstärkte Stellnetzfischerei in dem Gebiet zur Folge. Das kann laut Kahlfuss besonders den Schweinswalen zum Verhängnis werden, die Greenpeace eigentlich besonders schützen will. (AP)

 

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