Stockholm – Zu Beginn der Weltwasserwoche in Stockholm haben Wissenschaftler vor der Bewässerung von Feldern mit ungeklärtem Abwasser gewarnt. Diese Praxis sei weiter verbreitet als angenommen und bedrohe zunehmend die Gesundheit der Menschen, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Studie. Der Träger des diesjährigen Stockholmer Wasserpreises, der britische Professor John Anthony Allan, kritisierte derweil die ungebremste Nutzung von Biobrennstoffen und die Wasserverschwendung bei der Herstellung von Fleischprodukten.
Mit Abwasserrückständen auf Feldern gelangten Krankheitserreger in die Nahrungskette, warnte Liqa Raschid-Sally vom in Sri Lanka ansässigen Institut für Internationales Wassermanagement (IWMI). Auf diese Weise könnten sich Epidemien ausbreiten. Die Bewässerung mit Schmutzwasser finde man besonders häufig in Asien, etwa in China, Indien und Vietnam, aber auch in der Umgebung nahezu jeder afrikanischen Großstadt sowie in Lateinamerika.
Für viele Menschen sei diese bedenkliche Bewässerungsmethode in Ermangelung sauberen Wassers die einzige Möglichkeit zum Anbau von Gemüse oder Getreide, hob Raschid-Sally hervor. Die Experten forderten deshalb kein Verbot dieser Praxis, sondern einen verstärkten Einsatz von Wasseraufbereitungsanlagen.
„Seid vernünftig, esst weniger Fleisch“
Allan rechnete vor, dass bei der Herstellung von Fleischprodukten pro Person und Tag etwa fünf Kubikmeter Wasser verbraucht würden – weitaus mehr, als für ein Bad notwendig sei. „Seid vernünftig, esst weniger Fleisch“, appellierte der Wissenschaftler an alle Menschen. Die wachsende Nutzung von Biobrennstoffen kritisierte er wegen noch nicht abzuschätzender Umweltauswirkungen als „zu beängstigend, als dass man überhaupt daran zu denken wagt“.
Der 71-Jährige erhält am kommenden Donnerstag den mit 150.000 Dollar (rund 100.000 Euro) dotierten Stockholmer Wasserpreis für seine Forschungen zur Notwendigkeit eines nachhaltigen Managements der weltweiten Wasservorräte – vor allem bei der Lebensmittelproduktion.
Zur Weltwasserwoche sind rund 2.500 Wissenschaftler, Politiker und andere Delegierte aus 140 Ländern nach Stockholm gereist. Sie beraten bis kommenden Samstag über eine sinnvolle Nutzung der weltweiten Wasservorräte.
http://www.worldwaterweek.org
http://www.lk.iwmi.org/ (AP)
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