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US-Militärausbilder

Sie waren nicht bereit für den Krieg mit Russland

US-Militärausbilder stellen georgischen Streitkräften schlechtes Zeugnis aus – Veraltete Ausrüstung und Kommunikationssysteme

Matti Friedmann
AP
19.08.2008

US- Militärausbilder trainieren georgische Soldaten. (AP Photo/Cliff Patrick, File)

Tiflis – Der Krieg kam zu früh für die georgischen Streitkräfte. „Sie begannen zu gehen, aber keineswegs konnten sie schon laufen“, sagt der US-Hauptmann Jeff Barta, einer von etwa 100 amerikanischen Militärausbildern in Georgien. Die Soldaten hätten großen Kampfgeist, seien aber noch nicht reif für einen Kriegseinsatz gewesen. „Wenn das eine US-Brigade gewesen wäre, hätte man sie nicht in einen Kampfeinsatz geschickt“, sagt Barta über die 4. Brigade, die er für den Einsatz im Irak auszubilden half.

Doch jetzt sitzen die US-Soldaten in der Lobby des Sheraton Hotels in der Hauptstadt Tiflis, die georgischen Soldaten wurden von der Übermacht der russischen Truppen vernichtend geschlagen. Als die Amerikaner am Morgen des 7. August zur Arbeit kamen, war die Brigade schon im Aufbruch. Die Soldaten saßen auf ihren Rucksäcken und sangen zu den Segnungen eines orthodoxen Priesters, schon bald brachten Busse sie zur Front. Georgien startete eine Militäroffensive, um die Kontrolle über die abtrünnige Region Südossetien wiederzuerlangen.

„Nach dem, was ich gehört habe, hat es die 4. Brigade ziemlich hart erwischt“, sagt Rachel Dejong, eine 24-jährige Sanitäterin der US-Marine. Der georgische Kommandeur, der mit Barta für das Training verantwortlich war, wurde bei den Kämpfen getötet. Es habe ihnen nicht an Kampfgeist gefehlt, beteuert der 31-jährige US-Hauptmann. Die Defizite der Ausbildung waren jedoch offenbar zu groß.

Taktische und technische Mängel haben Kämpfe erschwert

Viele georgische Soldaten begreifen sich nur als Befehlsempfänger und können sich nicht flexibel auf neue Situationen einlassen, wie Barta erklärt. Zudem kämen viele aus dem Bergland und „unterschreiben ihre Soldabrechnung mit einem X“. Die US-Ausbilder trainierten die Georgier für die Nutzung des modernen US-Sturmgewehrs „M-4“, im Krieg gegen Russland nutzten die Soldaten aber die veralteten sowjetischen Kalaschnikows, denen sie mehr vertrauten.

Zudem brach das Kommunikationssystem der Georgier sehr bald nach Ausbruch der Kämpfe zusammen. Der Einsatz wurde dann mitunter über Handys dirigiert, die für die Russen leicht abzuhören waren. „Waren sie bereit? Die Antwort ist Nein“, sagt ein US-Feldwebel, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Offiziell geht es bei der Ausbildung der Georgier darum, die Soldaten für den Einsatz im Irak zu trainieren. Inoffiziell jedoch auch darum, die Streitkräfte Georgiens, einem loyalen Verbündeten Washingtons, als Vorposten im Kaukasus auf NATO-Niveau zu bringen. Zudem ist Georgien ein wichtiges Transitland für Öllieferungen in den Westen unter Umgehung des Irans und Russlands.

Bis zum Beginn der Kämpfe im südlichen Kaukasus waren 2.000 georgische Soldaten im Irak stationiert, die dort zuletzt hinter den USA und Großbritannien das drittgrößte Kontingent stellten. Insgesamt verfügen die Streitkräfte über fünf Infanteriebrigaden von je rund 2.000 Mann. Zusätzlich gibt es noch schlechtausgebildete Reservisten-Einheiten. Die Reservisten bekommen eine achtzehntägige Grundausbildung und müssen dann jährlich acht Tage Dienst leisten. Die Regierung in Tiflis gibt an, über 37.000 Soldaten und 100.000 Reservisten zu verfügen.

Zukunft der Ausbilder ungewiss

Die Georgier haben in dem kurzen Krieg mit Russland schwere Verluste erlitten. Offiziellen Angaben zufolge wurden 180 Soldaten und Zivilpersonen getötet, unabhängige Schätzungen sprechen indes von bis zu 400 vermissten oder toten Soldaten. Zudem wurden zahlreiche Militärstützpunkte zerstört, darunter Senaki im Westen des Landes oder Wasiani, wo die Georgier von den US-Ausbildern trainiert wurden.

Ein unabhängiger georgischer Militärexperte, Koba Liklikadze, macht indes die politische Führung in Tiflis für die Niederlage der Georgier verantwortlich. Tiflis habe zu schnell einen Waffenstillstand verkündet und damit die Moral der Truppe zerstört, sagt Liklikadze.

Wegen des Kriegs sitzen die Ausbilder nun in der Lounge des Sheratons, die Zukunft ihres Einsatzes ist ungewiss. Die Unzufriedenheit ist den Soldaten unschwer anzumerken. Zunächst wurden einzelne zur Unterstützung der US-Hilfslieferungen an Georgien abkommandiert. „Ich sage nicht, dass es uns hier schlecht geht“, sagt der Hauptmann und Afghanistan-Veteran Pongpat Piluek. „Aber wenn es jetzt unser Job ist, herumzusitzen und auf der Couch Wurzeln zu schlagen, dann würde ich das doch lieber zu Hause tun“, sagt Piluek. (AP)

 

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