Grindelwald – Der Fels an der Eiger-Ostflanke im Berner Oberland bewegt sich immer stärker. Am Montag sind kurz vor Mittag 50.000 Kubikmeter Fels abgebrochen und bergab gedonnert, wie der Geologe Hans Rudolf Keusen am Dienstag auf Anfrage sagte. Dies entspreche etwa dem Volumen von 50 großen Einfamilienhäusern. Das Grollen war bis Grindelwald im Tal zu hören.
„Der Fels wird zusehends geschwächt durch die Gleitbewegung, die er macht“, sagte Keusen. Seit zwei Jahren gleite eine Felsnase mit dem Volumen von rund einer Million Kubikmetern ununterbrochen abwärts ins Eis hinein, bestätigte Keusen einen Bericht der Tageszeitung „Der Bund“ (Dienstagsausgabe). Jeden Tag legt die Felsnase vier Zentimeter auf einer um 35 Grad geneigten Felsfläche zurück. Seit der letzten Messung im Juli 2007 glitt er so 15 Meter vorwärts.
Der Spalt zwischen der Eigerflanke und der wegrutschenden Felsnase wächst stetig und ist mittlerweile 50 Meter breit. „Das Eisfeld bremst die Felsnase, kann sie aber nicht aufhalten,“ sagte er. Das Gebiet um die Felsnase sei „Niemandsland“, es gebe dort auch keine Kletter- oder Wanderroute. Menschen seien nicht gefährdet.
Die Bewegung der Felsnase begann im Juni 2006 und zog zahlreiche Schaulustige an. Am 13. Juli stürzten laut Keusen 450.000 Kubikmeter Fels auf den Unteren Aletschgleschter. Die Bewegung begann laut Keusen aber wahrscheinlich am 22. August 2005, einem Unwetter-Tag mit extremen Regenmengen. An jenem Augusttag wurden zahlreiche Mikrobeben registriert, zwei davon hatten ihren Ursprung im etwa 400 Meter entfernten Gletschersee. Nach Keusens Theorie hatte sich infolge des Unwetters viel Wasser im Gebirge gesammelt. Durch den Wasserdruck wurden latent bestehende Spalten aufgesprengt, was die kleinen Beben auslöste. Wasserdruck öffnete demnach auch den Spalt bei der Felsnase am Eiger, der sich seither vergrößert. (AP)
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