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Folgen des illegalen Datenhandels können jeden treffen

Adressen der gesamten Bevölkerung laut Experten im Umlauf – Vorwürfe auch gegen Behörden

Isabell Scheuplein
AP
23.08.2008

Das Firmenlogo der Firma 'LottoTeam' ist am Sitz der Firmenzentrale in Köln zu sehen. Im Skandal um illegal gehandelte Kundendaten wird auch gegen das Kölner Unternehmen ermittelt. (AP Photo/Hermann J. Knippertz)

Frankfurt/Main – Die Folgen des illegalen Datenhandels können nach Expertenansicht ausnahmslos jeden treffen. Mit der breiten Nutzung des Internets seien die Adressen der gesamten bundesdeutschen Bevölkerung für Marketingzwecke und Verkaufsaquisen im Umlauf, sagte der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert der „Süddeutschen Zeitung“. Der Handel mit persönlichen Daten sei deshalb kaum mehr zu stoppen.

Derzeit vagabundierten allein etwa 10 bis 20 Millionen illegal weitergereichte Kontodaten, sagte der Datenschützer, der mit Strafanzeigen den Datenklau-Skandal ins Rollen gebracht hat. Diese sensiblen Daten würden beim Telefonverkauf, Glücksspielen, aber auch bei Verkaufsbörsen im Internet abgeschöpft und zunehmend für dubiose Zwecke benutzt.

Bei der Aufdeckung der Vorgänge stehe man erst am Anfang. „Wir sehen jetzt immer mehr von der Spitze des Eisbergs“, sagte Weichert. Er selbst erhalte Hinweise aus ganz Deutschland. Besonders begehrt seien die Daten von Lotterie- und Loskäufern. Auch Senioren sollten sich besonders in Acht nehmen, sagte Weichert der „Zeit“.

Thomas Hagen von der Verbraucherschutzzentrale Schleswig-Holstein sagte der „Süddeutschen Zeitung“, von Datenklau-Skandalen seien alle Branchen bedroht, in denen Daten gesammelt würden, auch Behörden. Selbst unter diesen gebe es illegalen Datenaustausch: „Wenn Sie Ihr Auto beim TÜV angemeldet haben, steht doch meistens einige Woche später die GEZ wegen der Anmeldung ds Autoradios vor der Tür.“

Verbraucher müssen umdenken

Datenschützer raten Verbrauchern, ihre Kontoauszüge regelmäßig zu überprüfen; unrechtmäßig abgebuchte Beträge können innerhalb von sechs Wochen zurückgebucht werden. Notfalls lässt sich die Kontonummer wechseln. Für die Zukunft sollten die Verbraucher umdenken und Daten nur äußerst sparsam weitergeben. Sensible Daten wie Kontoverbindungen oder Kreditkartennummern sollten nur Geschäftspartnern gegeben werden, die man aus freien Stücken kontaktiert habe und die vertrauenswürdig seien.

Für das Internet-Shopping rät die Verbraucherzentrale Hessen, Waren nur noch auf Rechnung zu bestellen. Notfalls sollte man auf Geschäfte verzichten, die ein Einverständnis zur Datenweitergabe voraussetzen.

Spitzengespräch im Bundesinnenministerium

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will Experten aus Politik und Wirtschaft zu einem Spitzengespräch über eine Verbesserung des Datenschutzes einladen. Beteiligt würden die Ministerien für Wirtschaft und Justiz sowie die Datenschützer von Bund und Ländern. Termin und Teilnehmerkreis stehen allerdings noch nicht fest, wie ein Ministeriumssprecher sagte.

Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer forderte eine Reform des Datenschutzgesetzes, um „skrupellosen Geldmachern, die illegal mit persönlichen Daten handeln, das Handwerk möglichst schnell so schwer wie möglich machen“. Unter anderem solle Datenhandel ohne ausdrückliche Zustimmung verboten werden, wie der CSU-Politiker der „Bild“-Zeitung sagte.

Der Branchenverband Bitkom warnte die Politik allerdings davor, an den tatsächlichen Problemen vorbeizureden. „Die Probleme bestehen nicht auf dem Papier, sie bestehen in der Praxis, hier müssen wir ansetzen“, erklärte Verbandspräsident August-Wilhelm Scheer. Sinnvoll könne eine Erhöhung der Bußgelder sein.

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt unterdessen wegen Betrugs gegen das Unternehmen LottoTeam. Es lägen Anzeigen mehrerer Verbraucher vor, sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld. Demnach soll das Unternehmen Kunden angerufen und später Geld von deren Konten abgebucht haben, obwohl kein Vertrag zustandegekommen sei. (AP)

 

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