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10.000 Euro Belohnung

Noch keine Spur von Michelles Mörder

Suche läuft nach Leichenfund auf Hochtouren – 5.000 Fahndungsplakate

Lars Rischke
AP
22.08.2008

Ein von der Polizei Leipzig zur Verfügung gestelltes Foto zeigt eine pinkfarbene Jacke mit Kapuze in der Größe 143 wie die der achtjährigen ermordeten Michelle aus Leipzig. Die Jacke konnte bislang noch nicht gefunden werden. (AP Photo/Polizei Leipzig)

Leipzig – Im Fall der ermordeten achtjährigen Michelle aus Leipzig sucht die Polizei fieberhaft nach dem Täter. Allerdings gibt es noch keine heiße Spur, wie eine Sprecherin am Freitag der Nachrichtenagentur AP sagte. Nachdem die Obduktion der am Donnerstag gefundenen Leiche ergeben hat, dass ein Gewaltverbrechen geschehen ist, hat die Polizei ihre Sonderkommission auf knapp 180 Beamte aufgestockt und eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise auf den Täter ausgesetzt. Auf insgesamt 5.000 Fahndungplakaten wird die Bevölkerung um Unterstützung gebeten.

An der Schule des Mädchens drückten zahlreiche Menschen ihr Mitgefühl mit den Angehörigen aus. Für den morgigen Samstag, 18.00 Uhr, ist ein Gottesdienst in der Trinitatiskirche im Stadtteil Anger-Crottendorf geplant.

Die Ermittler gehen zahlreichen neuen Hinweisen nach. Die Polizei suchte unter anderem den Park, wo Michelles Leiche am Donnerstag in einem Teich entdeckt worden war, Stück für Stück nach Täterspuren ab. Der See wurde von der Feuerwehr abgepumpt; Experten suchten danach gegen Abend akribisch den Fundort der Leiche ab. Möglicherweise brachte der Mörder Michelles Leiche in den Park und wurde gesehen. Jeder noch so kleine Hinweis auf ein Auto oder eine Person könne weiterhelfen, hieß es. Mehrere Profiler sind damit beschäftigt, anhand von Spuren, Fundort und Leiche ein möglichst konkretes Bild vom Mörder zu bekommen.

Die Sonderkommission ist mit 177 Kräften nach Angaben des Dresdner Innenministeriums die größte in Sachsen seit der Wiedervereinigung. Sie setzte die Überprüfung von Sexualstraftätern fort und sichtete Material aus dem Überwachungssystem des Nahverkehrs. Angesichts des großen Verfolgsdrucks schließt die Polizei nicht aus, dass sich der Mörder selbst stellt. „Wir kriegen ihn so oder so, es ist nur eine Frage der Zeit“, sagte die Sprecherin. Die Ermittler veröffentlichten zudem Bilder von einer pinkfarbenen Jacke und der Tasche, die Michelle bei sich getragen haben soll. Beide Gegenstände seien noch nicht gefunden worden.

Hinweis auf „L“ spielt weiter Rolle

Ob Michelle Opfer eines Sexualverbrechens geworden ist, ließ die Polizei offen. Die Leiche war bereits am Donnerstag obduziert worden. Auch andere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt, um kein Täterwissen preiszugeben. Unklar ist, ob Michelle auf dem Heimweg in ein Auto eingestiegen ist und ob sie ihren Mörder möglicherweise kannte. Bei der Verabschiedung soll Michelle ihrer Freundin erklärt haben, sie gehe noch zu „L“.

Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich erklärte, er sei in Gedanken bei den Eltern und der Familie des Mädchens. Es werde alles getan, um den Täter zu fassen.

An der Schule von Michelle versammelten sich im Laufe des Tages immer wieder Menschen, darunter Eltern und Mitschüler. Viele hatten Tränen in den Augen. Sie entzündeten Kerzen und legten Blumen, Dutzende Plüschtiere sowie handgemalte kleine Briefe ab. Darin hieß es: „Michelle, wir vermissen dich“ und „Wir trauern um Michelle“. In die Trauer mischte sich auch Wut. „An alle, die unseren Kindern das antun: Fahrt zur Hölle!“, stand auf einem Zettel.

Roman Schulz, Sprecher der zuständigen Schulbehörde, sagte der AP, die Kollegen seien tief bewegt und bestürzt. An der Schule selbst sollen am Montag, dem ersten Tag nach den Ferien, mehrere Psychologen zur Verfügung stehen. An normalen Unterricht sei nicht zu denken. Die Einschulungsveranstaltung an diesem Samstag wurde entgegen ersten Erwägungen doch nicht abgesagt. Geplant sei eine Schweigeminute.

Die Eltern von Michelle, die zwei weitere Kinder haben, werden von der Polizei weiterhin abgeschirmt und von Kräften eines Kriseninterventionsteams betreut. Die Familie befinde sich derzeit nicht in Leipzig, hieß es. (AP)

 

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