Hamburg – Der Deutsche Kinderschutzbund rechnet damit, dass bis zu 120.000 Kinder jährlich von Erwachsenen im sozialen Nahbereich missbraucht werden. Das sagte der Präsident der Organisation, Heinz Hilgers, am Samstag in einem NDR-Hörfunkinterview. Diese Straftaten in Familien und deren Umfeld sowie in Heimen seien ein weitaus größeres Problem als die Kinderpornografie-Ringe, meinte Hilgers. Am Freitag hatte das bayerische Landeskriminalamt die Aufdeckung eines internationalen Pädophilen-Netzwerks mit allein 987 Verdächtigen in Deutschland bekanntgegeben.
„Das zeigt, dass die Ermittler besser geworden sind“, sagte der Kinderschutzbund-Präsident. „Das hat lange gedauert, ehe sich die Ermittler und ehe sich die Behörden in Deutschland dieses Themas so angenommen haben. Aber offensichtlich sind jetzt genügend Mitarbeiter geschult, so dass erfolgreiche Ermittlungen durchgeführt werden können.“
Hilgers plädierte dafür, Kinderpornografie im Internet elektronisch zu zerstören. „Möglich ist so was“, sagte er zu NDR Info. „Ich halte es auch für sinnvoll. Das andere ist, dass die Ermittlungen hier verstärkt werden müssen. Aber viel wichtiger ist natürlich noch die Bekämpfung des schweren sexuellen Missbrauchs, auch des kommerziellen sexuellen Missbrauchs, der tatsächlich in der Welt stattfindet.“ (AP)
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