Bayreuth – Wenige Tage vor der Entscheidung über die neue Leitung der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele hat sich Nike Wagner gemeinsam mit dem renommierten Intendanten Gérard Mortier beworben. Sie will auch ihre Cousine, Wolfgang Wagners erste Tochter Eva Wagner-Pasquier, zurück auf ihre Seite ziehen. Diese hatte zunächst eine gemeinsame Bewerbung mit Nike Wagner geplant, sich aber im Frühjahr dieses Jahres mit ihrer Halbschwester Katharina verbündet.
Nike Wagner, die Intendantin des gerade stattfindenden Weimarer Kunstfestes „Pèlerinages“ ist, informierte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über ihre Bewerbung. Beim Stiftungsrat wurde bestätigt, dass diese per Fax am Sonntag eingegangen ist.
Der Stiftungsrat kommt am nächsten Montag zu seiner entscheidenden Sitzung zusammen. Festspielleiter Wolfgang Wagner, der am kommenden Samstag (30. August) 89 Jahre alt wird, hatte sich Ende April bereiterklärt, zum 1. September von seinem Vertrag auf Lebenszeit zurückzutreten. Er soll am Donnerstagabend offiziell verabschiedet werden.
Vor der Rücktrittsankündigung hatten sich seine Töchter Katharina und Eva auf eine gemeinsame Bewerbung verständigt, nachdem der bayerische Kunstminister Thomas Goppel sie dazu aufgefordert hatte. Der Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl hatte betont, der Rücktritt Wagners sei an keinerlei Bedingungen gebunden. Allerdings hatte der Anwalt des 88-jährigen Wagner erklärt, der Rücktritt erfolge im festen Vertrauen darauf, dass der Stiftungsrat für seine Töchter entscheide.
Die 30-jährige Katharina Wagner steht für die Fortführung der Tradition auf dem Grünen Hügel in Bayreuth, die 63-jährige Nike Wagner will damit brechen und neben den zehn klassischen Wagner-Opern auch die Frühwerke aufführen und ein zweites, experimentelles Festival für junge Künstler schaffen.
Katharina Wagner hatte ursprünglich die Festspielleitung gemeinsam mit dem Dirigenten Christian Thielemann und dem ehemaligen Leiter des Salzburger Festspiele, Peter Ruzicka, übernehmen wollen.
Mortier gilt als „Ausnahmetalent“
Nike Wagners neuer Verbündeter Gérard Mortier wird im Herbst 2009 Generalmanager und künstlerischer Leiter der New York City Opera. Deren Spielzeit läuft von September bis März. Die Wagner-Festspiele finden im Juli und August statt. Im Fall eines „Zeitkonflikts“ würde er Bayreuth den Vorrang geben, erklärte Mortier laut „FAZ“.
In der belgischen Stadt Gent als Sohn eines Bäckers geboren, hat Gérard Mortier erste Erfahrungen als künstlerischer Betriebsleiter in Düsseldorf, Frankfurt am Main und Hamburg gesammelt. Den Ruf, ein „Ausnahmetalent“ in der internationalen Kulturszene zu sein, erwarb er sich in Brüssel an der Belgischen Nationaloper. Von 1991 bis 2004 war er Leiter der Salzburger Festspiele. Das Land Nordrhein-Westfalen berief ihn zum Gründungskurator und Intendanten der Ruhr-Triennale in Recklinghausen. 2004 wechselte er zur Pariser Oper.
Nike Wagner, Tochter des 1966 gestorbenen Festspielleiters Wieland Wagner, hatte sich schon 1999 beim damals von Wolfgang Wagner eingeleiteten Nachfolgeverfahren für die Festspielleitung beworben. Wolfgang Wagner wollte seine zweite Frau Gudrun durchsetzen, aber der Stiftungsrat entschied sich im März 2001 für dessen Tochter aus erster Ehe, Eva Wagner-Pasquier. Der Festspielleiter pochte jedoch auf seinen Vertrag auf Lebenszeit. (AP)
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