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US Wahlkampf

„Hallo Daddy!“

Familientag auf der Parteiversammlung der Demokraten – Michelle Obama wirbt für ihren Mann und den amerikanischen Traum

Christopher Wills
AP
26.08.2008

Michelle Obama, l., mit ihren Töchtern Malia, 10, r., und Sasha, 7, winken Daddy zu. Barack Obama auf dem Bildschirm via Satellit in Denver. 'Modern Times'. (AP Photo/Ron Edmonds)

Denver – Die Hauptfigur hält sich noch im Hintergrund, aber auch ohne Barack Obama wird die Botschaft mit aller Deutlichkeit in die amerikanische Öffentlichkeit gebracht. „Ich liebe dieses Land“, versicherte Michelle Obama am Montag als erste Hauptrednerin der „Democratic National Convention“, wie der Nominierungsparteitag in Denver offiziell heißt. Allen Zweiflern hält die sicher auftretende junge Frau entgegen, dass sie ebenso wie ihr Mann mit Millionen Bürgern den amerikanischen Traum von einer besseren Zukunft teile.

Sie sei Tochter, Schwester, Ehefrau und Mutter, stellte sich Michelle Obama in ihrer kalkuliert emotionalen Ansprache vor. Sie stelle sich vor, dass auch ihre beiden Töchter Malia (10) und Sasha (7) einmal ihre eigene Familie haben würden. „Und eines Tages werden sie – und Ihre Söhne und Töchter – ihren eigenen Kindern erzählen, was wir in dieser Wahl geleistet haben. Sie werden ihnen sagen, dass wir diesmal auf unsere Hoffnungen und nicht auf unsere Ängste gehört haben. Wie wir dieses Mal beschlossen haben, nicht mehr zu zweifeln, sondern mit dem Träumen anzufangen.“

Michelle Obama hatte am Montag einen klaren Auftrag: Sie sollte ihren Mann von seiner menschlichen Seite präsentieren und skeptische Wähler überzeugen, sich nicht von seinem ungewöhnlichen Namen und seinem exotischen Werdegang zu falschen Schlüssen verleiten lassen. So musste sich Barack Obama im bisherigen Wahlkampf wiederholt fragen lassen, ob er auch wirklich ein echter Amerikaner sei.

Zu der perfekten Choreographie gehörte natürlich auch der Auftritt der beiden Kinder – zu den Klängen von Stevie Wonders Song mit dem rhetorisch fragenden Titel „Isn't She Lovely“ und einer Satelliten-Schaltung zu Barack Obama. „Hallo Daddy“, grüßten die Töchter artig, und dieser fragte dann aus dem fernen Missouri die mehr als 4.000 Delegierten: „Wie findet ihr Michelle Obama? Nun wisst ihr, warum ich sie so viele Male gefragt habe, auch wenn sie immer 'Nein' gesagt hat. Ihr wollt doch einen standhaften Präsidenten.“

Eignung als First Lady nachgewiesen

Michelle Obamas Aufgabe war es, den Wählern zu zeigen, dass sie von einem Präsidenten dunkler Hautfarbe nichts zu fürchten haben. Sie vermied es zwar, die Frage der Hautfarbe anzusprechen, betonte aber, dass alle Amerikaner in das gemeinsame Projekt einbezogen werden sollten: „Barack kümmert sich nicht darum, wo ihr herkommt oder was euer Hintergrund ist oder zu welcher Partei ihr gehört. Das ist nicht die Art, wie er die Welt sieht. Er weiß, dass dieses Band, das uns vereint – unser Glaube an Amerikas Verheißung, unsere Verpflichtung gegenüber der Zukunft unserer Kinder – stark genug ist, ums uns als eine Nation zusammenzuhalten, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.“

Nur beiläufig sprach Michelle Obama von Politik, als sie das Ziel nannte, den Irak-Krieg zu beenden, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen und allen Bedürftigen eine Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Großen Jubel löste sie aus, als sie Hillary Clinton würdigte. Diese habe es geschafft, „18 Millionen Sprünge in das Glasdach“ zu reißen, dass Frauen an der Verwirklichung ihrer Ziele hindere.

Zu der sorgsam inszenierten Begeisterung um Michelle Obama gehörte die Vorstellung durch ihren Bruder Craig Robinson ebenso dazu wie der biografische Film „South Side Girl“. Aus der Sicht ihrer Mutter wird darin ihre Kindheit nachgezeichnet und den Beginn ihrer Berufslaufbahn als Juristin – bis hin zu dem Moment, als sie in ihrer Kanzlei Barack Obama kennenlernte. Michelle Obama hat nun ihre Eignung nachgewiesen, einmal als First Lady im Weißen Haus zu repräsentieren. Ob es dazu kommt, müssen die nächsten zehn Wochen bis zur Präsidentenwahl am 4. November zeigen. (AP)

 

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