Berlin – Das deutsche Bildungssystem ist laut einer Studie hoffnungslos unterfinanziert. Derzeit fehlten jährlich knapp 30 Milliarden Euro, heißt es in der am Dienstag in Berlin vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) präsentierten Untersuchung. Investitionsbedarf besteht demnach auf allen Ebenen – von der Vorschule bis zur Weiterbildung. In knapp zwei Monaten, am 22. Oktober, will Bundeskanzlerin Angela Merkel in Dresden auf einem Gipfel mit den Ministerpräsidenten über einen Ausweg aus der Bildungsmisere beraten.
Allein für den umfassenden Ausbau des Elementarbereichs müssen laut der Studie knapp neun Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Für die allgemeinbildenden Schulen wurden knapp fünf Milliarden Euro und für die Hochschulen über sechs Milliarden Euro zusätzlich veranschlagt. Für den Ausbau der Weiterbildung ermittelte die Studie 8,7 Milliarden Euro Bedarf.
DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki schlug vor, die Investitionen über Steuern zu finanzieren. Hohe Einkommen, Vermögen und Unternehmensgewinne müssten einen höheren finanziellen Beitrag leisten. Zur Anschubfinanzierung könnte aber auch ein Teil der Goldreserven der Bundesbank – etwa 90 Milliarden Euro – gehoben werden. Die Untersuchung wurde vom Bildungsforscher Roman Jaich vom European Institute for Globalization Research erstellt.
Kommunen fordern Beteiligung am Bildungsgipfel
Auch der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, sprach sich für ein Bildungsfinanzpaket in Milliardenhöhe anstelle von Steuererhöhungen aus. „Hier müssen Bund und Länder handeln“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Vor dem Bildungsgipfel in Dresden würden immer neue Ankündigungen und Versprechen formuliert. Doch ein nachhaltiges Finanzierungskonzept fehle, kritisierte Landsberg, und forderte zugleich erneut eine Beteiligung am Bildungsgipfel.
Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hat sich der Zustand des Bildungssystems im vergangenen Jahr allerdings weiter verbessert. Die größten Fortschritte gebe es beim Fremdsprachenunterricht für Kinder und bei der internationalen Ausrichtung der Hochschulen. Bereits zwei von drei Grundschülern lernen Englisch oder Französisch, wie die Experten im „Bildungsmonitor 2008“ berichten. Auch die Gesamtdauer von Schulbesuch und Studium habe abgenommen.
Der Anteil der Hochschulabsolventen in ingenieurwissenschaftlichen Fächern sei allerdings von gut 20 Prozent im Jahr 1999 auf 16 Prozent 2006 gesunken. Grund sei, dass in den Schulen in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern Lehrer fehlten. Als deutlich ausbaufähig bewertete der „Bildungsmonitor“ auch die Ganztagsbetreuung an Kitas und Schulen. Ausnahmen seien hier nur die ostdeutschen Bundesländer.
Beste Bildungsvoraussetzungen in Sachsen
Sachsen bietet der Studie zufolge auch insgesamt weiter die besten Bildungsvoraussetzungen. Dahinter folgten im Ländervergleich erneut Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern, Schlusslichter der Rangliste blieben Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Am stärksten verbessert haben sich den Angaben zufolge Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – die Länder punkteten unter anderem mit dem stark gestiegenen Anteil der Studienanfänger in Bachelor-Studiengängen. (AP)
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