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Arizona

Ein Canyon mit Seele

Traumhafte Landschaft und spirituelle Erfahrungen im Canyon de Chelly

Felicia Fonseca
AP
27.08.2008

Canyon de Chelly National Monument in Arizona. (AP Photo/Paul Foy)
Reiter auf Pferden und Antilopen im Museum Canyon de Chelly National Monument in Arizona. (AP Photo/Beth J. Harpaz, File)
Dave Bia bietet geführte Touren an im Jeep. (AP Photo/Beth J. Harpaz)

Canyon de Chelly/USA – Es ist ein majestätischer Ort. Eingerahmt von mächtigen Wänden und Türmen aus rotem Sandstein zieht der Canyon de Chelly im US-Staat Arizona den Besucher mit seiner atemberaubenden Landschaft sofort in seinen Bann. Doch der Canyon beeindruckt nicht nur mit seiner rein physischen Existenz, er hat auch eine spirituelle Präsenz.

Mit seinen Tausenden von Ruinen, Felsschnitzereien und -malereien ist der Canyon für die Navajo-Indianer ein heiliger Ort. Besucher können am Lagerfeuer, bei Wanderungen, bei Ausritten und Jeep-Safaris die Naturschönheit des Canyons kennenlernen und seine Geschichte und Spiritualität entdecken.

„Für mich ist dieser Ort die Seele der Navajo-Kultur“, erzählt Parkrangerin Ailema Benally. 1931 wurde der Canyon von den USA zum „National Monument“ erklärt. „Es ist wichtig, hier einige Zeit zu verbringen. Zeit, in der man ruhig da sitzt und hört, was der Canyon einem zu sagen hat.“

Die Führer durch den Park erzählen den Besuchern gerne von den Navajo-Gottheiten, die in dem Canyon ihren Sitz haben sollen. Touristen hören von Medizinmännern, die diese heilige Stätte gesegnet haben und hier ihre letzte Ruhe fanden, aber auch von Massakern an Indianern und Zwangsumsiedlungen, von der spanischen Kolonialzeit und dem Landhunger der weißen Siedler im 19. Jahrhundert.

Vom Rand des Canyons können Besucher einen Blick auf einen Hogan werfen, wie das traditionelle Wohnhaus der Navajo genannt wird. Rund 200 Angehörige dieses Volkes wohnen noch in dem riesigen Gebiet des Canyon de Chelly. Ihre Medizinleute gehen auch heute noch oft zu den Ruinen am sogenannten Weißen Haus, einer kleinen Felsensiedlung, die bis zu 1.000 Jahre in die damalige Pueblo-Kultur zurückreichen soll und ihren Namen von dem hellgewaschenen Felsgestein erhielt. Dort beten die Medizinmänner zu den Geistern und bieten Opfergaben dar.

Heldenhafte Zwillinge und Monster mit Hörnern

In der Nähe dieser Ruinen befinden sich die Spider Rock – Zwillingstürme, die isoliert zwischen den Wänden des Canyon emporragen. Die Navajos glauben, dass sie der Wohnort der Spinnenfrau sind, die laut Stammesmythos ungehorsame Kinder frisst und den Erwachsenen die Kunst des Webens beigebracht hat. Die weißen Gipfel sind der Überlieferung nach die Gebeine der Kinder.

Andere Gottheiten, die im Mittelpunkt der Schöpfungsmythen der Navajos stehen, sollen ebenfalls im Canyon de Chelly ihren Sitz haben, wie Parkführer Adam Teller erklärt. Die Orte haben bildhafte Namen wie: Hero Twins, Talking God oder Great Horned Monster.

Eine der vielen Felszeichnungen im Canyon erzählt die Geschichte, wie die Helden-Zwillinge über einen Regenbogen zu ihrem Vater, dem Sonnengott, gehen. Von ihm erhalten sie die Waffen, um alles nicht notwendige Übel zu zerstören, wie Teller berichtet.

Die Navajos nennen den Canyon „Tseyi“, was so viel bedeutet wie „innerhalb des Felsens“. Die Spanier sprachen dieses Wort als „Chelly“ aus. Heute wird der Namen auf Deutsche etwa ausgesprochen wie „scheij“.

Im ganzen Canyon verteilt finden Besucher prähistorische, in Stein geritzte bildliche und grafische Darstellungen. An einigen Bildzeichen, die Hände zeigen, beten Medizinmänner zu heiligen Männern, die dort bestattet wurden. Andere Handzeichen markieren einfache Gräber.

Einblicke in das Alltagsleben der Navajos

Eine Campingübernachtung im Canyon rundet das besondere Erlebnis ab, das auf Urlauber hier wartet. „Wer hier zeltet und am Lagerfeuer sitzt, der kann den Geschichten zuhören, ohne abgelenkt zu werden,“ schwärmt Teller. „Wenn das Echo eines Liedes oder einer Geschichte von den Wänden zurückhallt, ist es, als ob die heiligen Geister dir eine Geschichte vorsingen.“

Teller verspricht allen Besuchern eine „Reise zur spirituellen Seele“. Doch nicht nur Transzendentes und Vergangenes erfahren die Besucher, wie der Parkführer betont. „Wer in meine Welt kommt, der erfährt auch viel über das Alltagsleben der Navajos, wie sie Landwirtschaft betreiben, wie sie überleben. Es ist ein Erlebnis, das die Augen öffnet. Es zeigt, dass die Menschen nicht viel von ihrer Vergangenheit verloren haben, egal wie sehr sich die Welt der Gegenwart in ihre Leben eingeschlichen hat.“

Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet. Eine Eintrittsgebühr wird nicht verlangt.

Weitere Informationen:

http://www.nps.gov/cach. (AP)

 

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