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Bayreuther Festspiele

Neue Ära auf dem Grünen Hügel

Am Montag fällt Entscheidung über die neue Leitung der Bayreuther Festspiele

AP
31.08.2008

Bayreuth – Für wen auch immer sich der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele am (morgigen) Montag entscheidet – mit der Wahl der zukünftigen Leitung beginnt eine neue Ära. Um die Nachfolge Wolfgang Wagners, der nach 57 Jahren sein Amt niedergelegt hat, bewerben sich seine Töchter Katharina und Eva sowie deren Cousine Nike und der belgische Opernmanager Gérard Mortier. Sie werden dem Gremium persönlich ihr jeweiliges Konzept vorstellen. Eine Entscheidung soll noch im Laufe des Montages fallen.

Vor der entscheidenden Sitzung bekräftigte Nike Wagner ihr Angebot an Eva Wagner-Pasquier, mit ihr zusammenzuarbeiten. Für Eva würden Mortier und sie die Tür für ein gemeinsames Direktorium offen halten, sagte die 63-Jährige dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zufolge.

Für Katharina, Wagners 30-jährige Tochter aus seiner zweiten Ehe, gilt dies nicht. Nike Wagner kritisierte sie heftig. Für Katharina seien von interessierter Seite bereits Fakten geschaffen worden, um Wagners „dynastischen Wünschen zu entsprechen“, erklärte sie. Ohne ihre Bewerbung hätte es „überhaupt keinen Impuls zur Veränderung“ gegeben; das Festival wäre in der „bestehenden altfränkischen Kungelei“ verharrt.

Auch Katharinas Ideen, die Wagner-Festspiele für ein breiteres Publikum zu öffnen und Kinderaufführungen anzubieten, wies Nike zurück. „Kunstwerke sollten verstanden, nicht erkrabbelt werden“, sagte sie den Angaben zufolge.

Nike Wagner, die Tochter von Wolfgangs Bruder Wieland (1917 bis 1966), hatte im vergangenen Jahr eigentlich ein gemeinsames Konzept für die Leitung der Bayreuther Festspiele zusammen mit ihrer Cousine Eva vorgelegt. Dann hatte Wolfgang Wagner im Frühjahr in einem Brief an den Stiftungsrat die Tandem-Lösung mit seinen Töchtern Katharina und Eva vorgeschlagen, auf das die beiden Halbschwestern schließlich eingingen.

„Andernfalls ist die Familie draußen“

Die 63-jährige Eva Wagner-Pasquier sagte der „Welt am Sonntag“ zufolge: „Wir müssen das jetzt mit Anstand über die Bühne bringen. Andernfalls ist die Familie draußen. Irgendwann ist Schluss: Mehr machen die Politiker und die Freunde Bayreuths nicht mit. Und mit Recht, kann ich nur sagen.“

Die Regisseurin und Opernmanagerin war bis 1976 Assistentin und engste Mitarbeiterin ihres Vaters. „Ich war eine Vater-Tochter“, wird sie zitiert. „Das war eine ganz starke Beziehung. Er hat mich genauso angebetet wie heute Katharina.“

Zum Bruch kam es 1976, als Wagner seine Familie verließ und seine Pressereferentin Gudrun Mack heiratete. Als der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele Eva 2001 zur neuen Chefin auf dem Grünen Hügel nominierte, beschimpfte sie der Vater öffentlich und warf ihr Unfähigkeit vor. Er bestand auf seinem Vertrag auf Lebenszeit. Erst jetzt, im Alter von 89 Jahren und knapp ein Jahr nach dem Tod seiner Frau Gudrun, trat er freiwillig ab. (AP)

 

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