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Wagner in Bayreuth

Ein Halbschwestern-‌Tandem für Wagners Gralsburg

Wolfgang Wagners ungleiche Töchter Eva und Katharina siegen im Nachfolgestreit – Nikes vergeblicher letzter Trumpf

Wolfgang Hübner
AP
01.09.2008

Eva Wagner-Pasquier, links, und Katharina Wagner nach der Sitzung des Rates der Richard-Wagner-Stiftung in Bayreuth. Der Stiftungsrat hat beide zu den neuen Festspielleitern gewählt. Die beiden Urenkelinnen Richard Wagners treten die Nachfolge ihres zurückgetretenen Vaters Wolfgang Wagner an. (AP Photo/Eckehard Schulz)

Bayreuth – Die Entscheidung, die nur noch eine Bestätigung war, wurde am Montag um 16.17 Uhr im Plenarsaal des Bayreuther Rathauses von Toni Schmid, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, verkündet: Gemeinsam soll künftig ein weibliches Tandem mit Wagner-Blut die weltbekannten Richard-Wagner-Festspiele führen – die 63-jährige Eva Wagner-Pasquier und die erst 30-jährige Katharina Wagner. Am Tag nach dem Ende der Herrschaft Wolfgang Wagners über das Erbe seines genialen Großvaters hat der 89-jährige Patriarch damit seinen letzten Sieg errungen – haushoch mit 22 von 24 Stimmen im Stiftungsrat.

Diese Entscheidung des Stiftungsrates der Festspiele hat auch die letzten Hoffnungen der 63-jährigen Mitbewerberin Nike Wagner zerstört, gemeinsam mit dem international renommierten belgischen Musikintendanten Gérard Mortier den beiden Töchtern aus erster und zweiter Ehe Wolfgang Wagners die Macht auf dem Grünen Hügel streitig zu machen. Offenbar zu spät und auch zu wenig inhaltlich überzeugend hatte die Tochter von Wolfgangs früh verstorbenem Bruder Wieland ihren letzten Trumpf in der verbissenen Familienschlacht aufgeboten. Schon als die erfolglose Bewerberin das Rathaus um kurz vor 13.00 Uhr betrat, wirkte sie sichtlich nervös und gereizt.

Dagegen waren die beiden späteren Siegerinnen auf diskreterem Weg ins Rathaus gelangt. Einige Stunden später, exakt um 16.26 Uhr, traten Eva und Katharina mit den Wolfgang-Genen in noch angespannter Freude vor die in großer Zahl versammelten Medienvertreter. Beide blond, beide in schwarzen Hosenanzügen, doch sehr unterschiedlich gesprächig: Katharina führte eindeutig das Wort, die mehr als doppelt so alte, viele Jahre vom Vater verstoßene Eva fremdelte sichtlich mit der Wissbegier, die sich dann doch gerade auf sie konzentrierte. Und nur sehr zurückhaltend reagierte sie auf die Frage nach der künftigen Arbeitsteilung der beiden Frauen bei der Leitung der Festspiele.

Vieles ist noch unklar

Doch im Detail ist offenbar überhaupt vieles noch unklar, wie sich aus den Erläuterungen des Stiftungsratsvorsitzenden Schmid ergab. So ist auch erst noch darüber zu verhandeln, wie lange der Vertrag für das Tandem der Halbschwestern vergeben wird. Maximal sollen es aber sieben Jahre sein. Der Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl vergaß nicht zu betonen, dass es auf keinen Fall noch einmal – wie bei Wolfgang Wagner – einen Vertrag auf Lebenszeit geben wird. Das aber war ohnehin nicht mehr zu erwarten.

In anderer Weise hat sich der 89-jährige Patriarch, der in der letzten Woche mit Ovationen und Tränen verabschiedet wurde, nochmals als Meister der Macht erwiesen. Denn seine seit einigen Jahren verfolgte Strategie, die Festspiele personell und programmatisch auf lange Zeit – nämlich bis 2015 – vertraglich festzulegen, war offensichtlich entscheidend für das fast einhellige Votum des Stiftungsrates. Dieser sah, wie Schmid offen zugab, kaum eine Gestaltungsmöglichkeit für Nike Wagner und Mortier, dem eine „glänzende Rede“ bescheinigt wurde, die den Stiftungsrat beeindruckte, jedoch nicht umstimmen konnte.

Emotional bewegend an der Präsentation der beiden Siegerinnen im innerfamiliären Machtkampf war das selige Lächeln von Eva Wagner-Pasquier, die schon 2001 zur Nachfolgerin ihres Vaters bestimmt gewesen war, aber an dessen Widerstand, in den Ruhestand zu gehen, gescheitert war: „Ich bin sehr glücklich über die Entscheidung“, gestand sie.

Auf die brisante Frage nach der erst vor einigen Monaten entstandenen Beziehung zur jüngeren Halbschwester, prägte sie den Satz des historischen Tages: „Wenn man sich erst spät begegnet, versteht man sich wahrscheinlich besser.“ Nike Wagner, die als gute Verliererin den siegreichen Cousinen gratuliert haben soll, wird das nicht trösten. (AP)


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