Was können wir tun, um unsere Gesundheit zu erhalten? Informationen über Gesundheitsvorsorge, Maßnahmen zur Vorbeugung, Lebensführung, Ernährungstipps, Volksheilkunde, Naturheilweisen aus aller Welt
English Français Español Svenska Česky 中文 日本語 Русский עברית weitere Sprachen

Diese Webseite ist in China gesperrt.


China Dossiers

Bild des Tages

Weitere Bilder des Tages ->

Epoch-Times-Fotowettbewerb

Weitere Wettbewerbsfotos ->

Sonderthemen

Artikel versenden | Leserbrief | Druckversion | Newsfeed

Hormonell aktive Substanz

Plastikgrundstoff im Blut von Schwangeren und Neugeborenen

Streit um Industriechemikalie Bisphenol A – „Erhebliche Mengen kommen im Körper an“

Walter Willems
AP
21.09.2008

Frankfurt/Main – Die Substanz ist fast allgegenwärtig. Bisphenol A steckt in Baumaterialien und Autoteilen, CD-Hüllen und Zahnfüllungen, Dosen und Plastikflaschen. Erbittert streiten Forscher darüber, ob der Stoff, der ähnlich wirkt wie das weibliche Sexualhormon Östrogen, die Gesundheit gefährdet. Während die meisten Wissenschaftler Risiken befürchten, hält die europäische Lebensbehördemittel EFSA die Chemikalie für unbedenklich.

Als Grundstoff für Polykarbonat-Kunststoffe und Kunstharze zählt Bisphenol A (BPA) zu den wichtigsten Industriechemikalien. Die Herstellerfirmen produzieren davon jährlich Millionen Tonnen mit einem Jahresumsatz in Milliardenhöhe. Aber Spuren des Stoffes entweichen, gelangen etwa aus Verpackungen in Lebensmittel und so in den menschlichen Organismus. In einer Studie an 2.500 Personen fanden Forscher der US-Gesundheitsbehörden BPA im Urin von fast 93 Prozent der Teilnehmer. Die höchsten Werte registrierten sie bei Frauen und Kindern.

Ob die hormonell aktive Substanz in den gefundenen Konzentrationen Schäden anrichten kann, darüber diskutieren Vertreter von Forschung, Behörden und Wirtschaft seit Jahren. „Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass erhebliche Mengen im Körper ankommen“, sagt Andreas Gies vom Umweltbundesamt. „Eine Gefährdung kann man nicht ausschließen.“

Die auf Tierversuchen basierende Studienlage ist geteilt: Während alle Industrie-finanzierten Untersuchungen keinerlei Grund zur Sorge sehen, kommen die weitaus meisten unabhängigen Studien zum gegenteiligen Befund. Demnach können schon geringe Mengen BPA unter anderem die Entwicklung der Geschlechtsorgane oder des Nervensystems stören. Gefährdet seien vor allem ungeborene Kinder, sagt Gilbert Schönfelder von der Universität Würzburg. „Der heranwachsende Organismus reagiert besonders empfindlich auf Hormone.“

Europäische Behörde sieht keine Gefahr

Der Toxikologe wies schon vor Jahren nach, dass Schwangere Bisphenol A an ihr Kind weitergeben. Allein in diesem Jahr haben zwei weitere Forscherteams aus den USA und Südkorea die Ergebnisse von Schönfelder in Fachzeitschriften bestätigt. „Dabei wurden Konzentrationen gefunden, die in Tierstudien zu Schäden führen“, betont Schönfelder. Die kanadische Regierung kündigte im April ein Verbot von Babyflaschen aus Polykarbonat an.

Diese Bedenken lassen die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kalt. Diese hatte Anfang 2007 den Wert für die tägliche akzeptable Aufnahmemenge (TDI) noch um das Fünffache von zehn auf 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht angehoben. Und in einer kürzlich veröffentlichten Erklärung schreibt die EFSA, „dass die Exposition menschlicher Föten gegenüber BPA zu vernachlässigen sei, da BPA im Körper der Mutter rasch abgebaut und ausgeschieden wird“. Auch Neugeborene könnten die Chemikalie in ausreichendem Maße abbauen, heißt es weiter.

„Wenn eine Substanz im Blut gefunden wird, ist das nicht automatisch ein Alarmsignal“, sagt auch Jan Hengstler, Vorsitzender der Beratungskommission der Gesellschaft für Toxikologie. Mit Schäden müsse erst ab bestimmten BPA-Konzentrationen gerechnet werden. Die EFSA habe den TDI-Wert so festgelegt, dass ein Risiko nicht zu erwarten sei, schreibt die Kommission in einer Stellungnahme und fügt hinzu: „Es existieren keine relevanten Studien, welche die Gültigkeit des TDI infrage stellen.“

Dass die EFSA die Resultate von Schönfelder und anderen Forschern ignoriert, liege an „schwerwiegenden methodischen Mängeln“. Möglicherweise, so argwöhnt die Kommission, seien die analysierten Proben erst im Labor mit BPA verunreinigt worden. Dieser Vorwurf bringt den Würzburger Toxikologen, der die Substanz seit vielen Jahren erforscht und seine Resultate in seriösen Fachzeitschriften veröffentlicht hat, in Rage. „Reine Diffamierung“, sagt er. „Alle vorgenommenen Studien wiesen Bisphenol A im Blut von Müttern und Neugeborenen nach, ohne Ausnahme.“

„Wir sind besorgt“

Die Sorge des Forschers teilt inzwischen auch das National Toxicology Program (NTP), das im Auftrag des US-Gesundheitsministeriums die Substanz unter die Lupe nahm. BPA habe das Potenzial, die menschliche Fortpflanzung und Entwicklung zu schädigen, urteilt das Gremium in seinem gerade vorgelegten Abschlussbericht. „Wir sind besorgt, denn wir sehen in manchen Tierstudien Entwicklungsveränderungen bei ähnlicher BPA-Exposition wie sie auch beim Menschen vorkommt“, erläutert der NTP-Vorsitzende John Bucher.

Zwar wisse man nicht, ob sich die im Tierversuch beobachteten Veränderungen auf den Menschen übertragen lassen. „Aber es lässt sich nicht ausschließen, dass BPA die menschliche Entwicklung beeinflussen kann“, heißt es im NTP-Bericht.

Die daraus abgeleitete Empfehlung klingt wie ein Eingeständnis der Hilflosigkeit: „Leider ist es schwierig, der Öffentlichkeit Rat anzubieten, wie man mit dieser Information umgehen sollte“, klagt das NTP-Mitglied Michael Shelby. Sein Tipp: Wenn Eltern besorgt seien, könnten sie „den Kontakt ihrer Kinder zu BPA reduzieren“.

http://www.efsa.eu.int/

http://www.toxikologie.uni-wuerzburg.de/ (AP)

 

Bookmark setzen:   Webnews yigg Tausendreporter Wikio BlinkList Mister Wong


 

Was sind das für grüne Links?