Berlin – Wer schon einmal über eine „Braunüle“ eine Infusion gelegt bekommen hat, kennt ihn indirekt. Ludwig Georg Braun ist der Vorstandsvorsitzende des Konzerns für Medizintechnik im nordhessischen Melsungen, der 1962 die erste einteilige Plastiknadel für Dauerinfusionen entwickelt hat. Seit Februar 2001 ist Braun auch Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Am kommenden Sonntag (21. September) wird er 65 Jahre alt.
Auf Interesse stößt immer wieder, wie er seinen Konzern mit 35.000 Mitarbeitern und mehr als 150 Tochterfirmen in 50 Ländern führt. In fast jedem Porträt über ihn findet sich der Hinweis, dass der gläubige Christ und Synodale der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck zur Mittagszeit an seine Mitarbeiter per E-Mail eine fromme Botschaft senden lässt. Einen „christlichen Provokateur“ nannte ihn das „Manager-Magazin“. Braun wird ein asketischer Lebensstil nachgesagt. Er ist Marathonläufer und Kunstmäzen.
Das Hauptquartier seines Konzerns hat Braun vom britischen Stararchitekten James Stirling entwickeln lassen, einem der bedeutendsten Vertreter der Postmoderne. Das „Bürokonzept 2010“ macht Mitarbeiter zu Büronomaden. Wer gerade zusammenarbeitet, sucht sich freie Schreibtische. Laptop, schnurloses Telefon und anderes Arbeitsmaterial werden im Rollcontainer hinterhergezogen.
Als Hesse erschreckt über Ypsilanti-Kurs
In seine politische Rolle als DIHK-Präsident musste sich Braun erst hineinfinden. Zu Beginn seiner Amtszeit machte er Schlagzeilen, als er sich gegen die Ausweitung der betrieblichen Mitbestimmung auf kleine und mittlere Betreibe aussprach. Für Aufregung sorgte auch seine Forderung nach Nullrunden bei Abschlüssen.
Gründlich missverstanden wurde 2004 sein Aufruf an deutsche Firmen, „nicht auf eine bessere Politik zu warten“, sondern die Chancen der EU-Osterweiterung zu nutzen. Im Telefonat mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder musste er klarstellen, dass es kein Aufruf war, Arbeitsplätze aus Deutschland ins Ausland zu verlagern.
Bildung ist dem Vater von fünf Kindern ein vorrangiges Anliegen. So fordert er vom Bildungsgipfel im Oktober, die Flexibilisierung des Hochschulzugangs verbindlich zu vereinbaren. „Wir brauchen mehr junge Menschen, die nach einer beruflichen Aus- oder Weiterbildung auch ohne Abitur zum Studium zugelassen werden“, sagte er dem „Handelsblatt“.
„Als Hesse erschreckt“ äußerte sich Braun in der „Wirtschaftswoche“ über die geplante rot-rot-grüne Zusammenarbeit in seinem Bundesland. Schon die Energiepolitik sei die „reinste Träumerei“. Man könne nicht gleichzeitig aus Kohle und Kernenergie aussteigen. Braun selbst ist Mitglied der FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Melsungen.
Als Chef seines Familienunternehmens hat der Vorstandsvorsitzende einen Vertrag bis 2011. Als DIHK-Präsident wurde er im März 2005 einstimmig von der Vollversammlung der 81 Industrie- und Handelskammern in seinem Amt bestätigt – erst einmal bis 2009. Sein Vorgänger Hans Peter Stihl war 13 Jahre lang an der Verbandsspitze.
http://www.dihk.de/
http://www.bbraun.de/ (AP)
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