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Addis Abeba – Solomon Henderson aus Äthiopien wurde als Einjähriger in einem Waisenhaus abgegeben. Von seinen Eltern hat er drei Dinge behalten – ein Jesus-Bild, ein Kruzifix aus Plastik und eine HIV-Infektion. Seine Überlebenschancen schienen gering. Doch als Erin Henderson aus dem US-Staat Wyoming ihn sah, beschloss sie auf der Stelle, ihn zu adoptieren. Inzwischen ist Solomon zwei Jahre alt, und dank einer täglichen Medikamentendosis geht es ihm gut.
Nicht viele HIV-positive Kinder finden Adoptionseltern in den USA, doch die Zahl steigt, wie Adoption Advocates International, eine US-Agentur für Adoptionen aus dem Ausland, erläutert. Demnach fanden 2005 gerade mal zwei solcher Kinder ein neues Zuhause in einer amerikanischen Familie. In diesem Jahr seien 38 Adoptionsverfahren eingeleitet und größtenteils schon abgeschlossen worden. Die US-Botschaft in Addis Abeba, deren Statistik etwas andere Zeiträume erfasst, gibt die Zahl für das laufende Jahr mit 25 an.
Die Gründe der US-Bürger, ausgerechnet ein HIV-infiziertes Kind zu adoptieren, sind vielschichtig. Viele verweisen auf religiöse Motive oder den Wunsch, im kleinen Rahmen zu einer besseren Welt beizutragen. Für andere wie Julie Hehn war es eine rein emotionale Entscheidung. Sie sei die Fotos von zur Adoption freigegebenen Kindern aus Äthiopien durchgegangen und habe sich in die kleine Tsegenet schlicht verliebt. „Ich wusste sofort, das ist meine Tochter“, sagt die 53-Jährige aus dem Staat Washington. Sie hat bereits 24 Kinder adoptiert – 19 aus Äthiopien und fünf aus den USA.
Kinder werden zu Botschaftern
Das Gros der im Ausland adoptierten HIV-positiven Kinder kommt aus Äthiopien, weil dort die einschlägigen Verwaltungsstrukturen gut etabliert sind. Zu einem geringeren Ausmaß sind aber auch schon HIV-infizierte Kinder aus Russland, China, Ghana und Haiti in die USA gebracht worden. Genau lassen sich die Zahlen nicht immer überprüfen, weil viele Länder in ihren Adoptionsstatistiken HIV-Infizierte nicht gesondert aufführen.
Margaret Fleming leitet in Chicago den Verein Chances By Choice (Glücksfälle dank Auswahl), der solche Adoptionen koordiniert. Dadurch kamen bereits 52 HIV-positive Kinder aus dem Ausland in die USA. Fleming hat selbst drei Kinder mit dem Aids-Virus adoptiert. „Ich wollte in dieser Welt etwas verändern und dabei helfen, diese Seuche etwas in den Griff zu bekommen“, sagt die 72-Jährige. „Wir haben damit die Chance, eine Botschaft auszusenden, und unsere Kinder werden zu Botschaftern.“
Von den HIV-Infizierten, die seit 2005 über Adoption Advocates International in die USA kamen, ist noch keines gestorben. Das älteste ist jetzt 13 Jahre alt. Manche – wie Solomon – können dank Medikamenten ein normales Leben führen, andere – wie Tsegenet – sind so weit gesundet, dass sie kaum noch spezielle Arzneimittel brauchen. Insgesamt fanden im vergangenen Jahr 1.255 Kinder aus Äthiopien Adoptiveltern in den Vereinigten Staaten. Die Zahl hat sich in den vergangenen fünf Jahren von Jahr zu Jahr fast verdoppelt.
Geduld und Milde gelernt
„Die US-Bürger haben ein großes Mitgefühl für andere Menschen“, erklärte Gesundheitsminister Michael Leavitt kürzlich bei einem Besuch in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Er hat auch wiederholt betont, dass HIV-infizierte Adoptivkinder keine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit in den Vereinigten Staaten darstellten. Im Kongress soll demnächst eine Vorschrift aufgehoben werden, wonach für für solche Adoptionsverfahren immer noch Sondergenehmigungen eingeholt werden müssen.
Die Eltern sind allemal davon überzeugt, dass sie das Richtige getan haben. „Ich habe so viel von Tsegenet gelernt“, sagt ihre Adoptivmutter Hehn. „Ich habe gelernt, viel geduldiger und sanfter zu sein.“ Zugleich legt die Lehrerin großen Wert darauf, dass alle über Tsegenets Zustand Bescheid wissen. „Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit, das Stigma der Krankheit zu überwinden. Und auch Tsegenet selbst soll wissen, dass sie trotzdem in jeder Hinsicht schön und wunderbar und rein ist.“ (AP)
http://www.epochtimes.de/articles/2008/09/18/340642.html
