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Viele Verbraucher zahlen zuviel für Strom und Gas

AP
23.09.2008

Bonn – Viele Verbraucher zahlen noch immer zuviel für Strom und Gas. Insbesondere bei einem Wechsel des Gaslieferanten könnten die Kunden Geld sparen: im Durchschnitt rund 100 Euro im Jahr, berichtete der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth am Dienstag in Bonn. Aber auch bei einem Wechsel des Stromversorgers seien für einen normalen Haushaltskunden in vielen Fällen Kostensenkungen von rund 26 Euro möglich. Im Einzelfall könne die Ersparnis auch deutlich höher liegen.

Der Wettbewerbshüter appellierte an die Verbraucher, die Möglichkeit eines Lieferantenwechsels intensiver zu nutzen und so den Wettbewerb auf dem Energiemarkt anzuheizen. Doch selbst wenn der Verbraucher vor diesem Schritt zurückscheue, könne er durch einen Tarifwechsel beim vertrauten Anbieter Strom und Gas häufig billiger beziehen, empfahl Kurth. Hier lägen die Einsparmöglichkeiten für Kunden, die bisher im Grundversorgungstarif geführt würden, durchschnittlich bei rund 20 Euro bei Strom und immerhin rund 80 Euro bei Gas.

Wenig Wettbewerb auf dem Gasmarkt

Kurth zog in seinem Jahresbericht zur Wettbewerbssituation auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt eine gemischte Zwischenbilanz. Zwar gebe es vor allem auf dem Strommarkt inzwischen erste Erfolge – etwa die gestiegene Wechselbereitschaft der Verbraucher und die Senkung der Netzentgelte. Doch vor allem auf dem Gasmarkt sieht der Behördenchef nach wie vor massiven Nachholbedarf in Sachen Wettbewerb. Hier wolle die Behörde ihre Anstrengungen künftig verstärken und mehr Wettbewerb erzwingen.

So sollen die drei führenden deutschen Ferngasnetz-Betreiber E.ON Gastransport, Wingas Transport und Gasunie Deutschland Transport Services künftig der Preiskontrolle der Behörde unterworfen würden. Dieser Schritt sei notwendig, da es nach den Untersuchungen der Behörde de facto keinen Wettbewerb beim Transport von Gas über längere Entfernungen gebe, sagte Kurth.

Bereits in den nächsten zwei Monaten müssen die Unternehmen nun der Netzagentur ihre Kosten offenlegen. Ab 2010 unterliegen die Firmen, die fast zwei Drittel der Ferngastransporte in Deutschland abwickeln, der Anreizregulierung. Sie zwingt die Unternehmen dazu, sich in ihrer Preisgestaltung an den wettbewerbsfähigsten Konkurrenten zu orientieren. Verfahren gegen sieben weitere Ferngasnetz-Betreiber will die Behörde zeitnah abschließen

Einsparpotenzial offen

Bisher waren die Konzerne von der Kostenprüfung befreit. Doch sieht die Netzagentur massive Belege dafür, dass es de facto keinen Wettbewerb beim Gastransport über längere Strecken gibt und damit eine weitere Befreiung unzulässig ist. „Bemühungen von Gasnetzbetreibern, durch niedrigere Preise Netzkunden zu gewinnen, sind nicht erkennbar“, sagte Kurth. Die Erfahrung bei der Regulierung der Stromnetze spreche dafür, dass es möglicherweise auch im Ferngasbereich Einsparpotenzial zugunsten der Kunden gebe, meinte der Behördenchef.

Durch den wachsenden Widerstand in der Bevölkerung gegen den Bau neuer Stromleitungen und neuer Kohlekraftwerke befürchtet die Bundesnetzagentur langfristig spürbare Einbußen bei der Versorgungssicherheit. „Sollte sich dieser negative Trend fortsetzen, sind weitere und überproportional steigende Strompreise zu erwarten und längerfristig auch Versorgungsengpässe nicht mehr auszuschließen“, warnte Kurth. (AP)

 

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