Frankfurt/Main – „Ich bin eine sehr optimistische Person“, sagt Natalie Cole. „Ich fühle, dass ich noch so viel Leben vor mir habe. Deshalb mag ich dieses Lied „The Best Is Yet To Come“. „Es ist wichtig, positive Botschaften in einer Welt zu haben, die so trist zu sein scheint.“ Das war bei ihrer Werbereise für das am Freitag erscheinende Album „Still Unforgettable“ (Warner). Inzwischen wurde bekannt, dass sie wegen eines Rückschlags bei der Behandlung von Hepatitis-C ins Krankenhaus musste.
Die Krankheit ist eine Folge aus jenen Zeiten, in denen die 58-jährige Tochter der Jazz-Legende Nat „King“ Cole von Alkohol und Drogen – darunter LSD, Heroin und Crack – abhängig war. Im AP-Interview sagte die achtfache Grammy-Preisträgerin Anfang August, die Behandlung werde mindestens bis Ende des Jahres dauern. „Mir geht es viel besser als vorher. Ich habe ein kleines Unwohlsein, aber das ist nichts im Vergleich zu dem zu Beginn der Behandlung. Ich bin froh, dass ich funktioniere, denn es kann eine sehr schwächende Behandlung sein, wie jeder weiß, der das durchgemacht hat.“ Ihr Arzt habe ihr Hoffnung gemacht, dass das Virus beseitigt werden könne „und ich mein Leben weiterleben kann“.
Natalie Cole weiß, dass sie Fehler im Leben gemacht hat. In ihrer Autobiografie „Angel On My Shoulder“ hat sie vor acht Jahren freimütig davon berichtet. „Fehler machen uns zu dem, wer wir sind. Wenn in deinem Leben nie etwas Schlechtes passiert wäre, könntest du gar nicht verstehen was es heißt, ein Mensch zu sein. Ich habe genug durchgemacht um zu wissen, dass das Leben unberechenbar ist... Jemand hat mal gesagt: 'When life gives you lemons, you make lemonade.'“
Amy Winehouse in „tödlichen Lebensstil“ geraten
Um das Beste aus einer Situation zu machen, sich gerade im Musikgeschäft nicht unterkriegen zu lassen, benötige man verlässliche Leute um sich herum – Cole nennt das „Support System“. Der vielleicht genialsten neuen Soulstimme, Amy Winehouse, fehle das offenkundig: „Sie hat das Talent, die Begabung und sie ist wohl auch ein pfiffiges Mädchen. Aber sie ist in einen Lebensstil geraten, der tödlich ist, und ich denke, ihr 'Support System' ist nicht stark. Ich denke, die Leute um sie herum nutzen sie aus. Zugleich haben sie nicht den Einfluss, sie dazu zu bringen, sich selbst zu helfen.“
Die richtigen Leute müsse man bereits um sich haben, bevor man sich in das Haifischbecken Musikbusiness begibt: „Man muss gewappnet sein. Das Geschäft ist sehr unstet, instabil, unzuverlässig, von Geld getrieben. Kaum jemand kümmert sich darum, wie es dir geht, nichts! Es geht ums Geld, okay? Als junger Künstler muss man da aufpassen. Man sollte vieles selbst machen und nicht immer von anderen für sich erledigen lassen. Wir lernen, indem wir Fehler machen – und manchmal muss man verlieren, um etwas zu erreichen. So ist es im Leben, im Musik-Business ist es zur Zeit besonders hart. Es ist sehr konkurrenzbetont und wird eher vom Geld als von Talent angetrieben. Sie sagen, jeder kann ein Star sein. Das ist lächerlich, aber sie machen die Leute glauben, dass das Mädchen von nebenan nur ein Lied zu singen braucht und schon ein Star wird. Es ist einfach nicht so.“
Nicht jeder, der singen kann, ist auch ein Musiker
Natürlich treten bei Shows wie „American Idol“ und „Deutschland sucht den Superstar“ viele Leute auf, die singen können, sagt Cole. „Aber diese Leute sind keine Musiker. Das ist ein Unterschied. Viele Leute können singen. Um Musiker zu sein, bedarf es Disziplin, Wissen und Können. Bei 'American Idol' habe ich einmal einen Themenabend mit Beatles-Liedern gesehen. Diese Kinder wussten nicht einmal, wer die Beatles waren. Das ist unentschuldbar. Bezeichne dich niemals als Sänger, wenn du nicht weißt, wer die Beatles waren. Mit anderen Worten: Dir geht es um etwas anderes. Du machst es nicht, weil du es liebst, du machst es, weil du berühmt sein willst. Viele machen Musik aus den unterschiedlichsten Gründen, und die meisten sind nicht gut.“
„Still Unforgettable“ ist 17 Jahre nach dem erfolgreichen posthumen Duettalbum mit ihrem Vater eine Rückkehr zum Jazz der 40er, 50er Jahre. In eine Zeit, in der die Liedtexte optimistisch und naiv waren, aber eben auch romantisch und nicht so sexbesessen. Junge Künstler wie Michael Bublé fühlten sich ebenso wie dessen Fans von dieser Einfachheit angezogen. „Selbst wenn Rap, Hip-Hop und Urban ihre Musik ist – in diesen Jazz-Standards ist etwas Beruhigendes, Besänftigendes. Damals schrieben sie über Küssen und Umarmen, wie man da sitzt und gemeinsam den Mond anschaut. Wir sollten unsere jungen Leute erinnern, dass es einmal eine Zeit gab, in der das Leben nicht so kompliziert war. In der es noch wirkliche Liebesgeschichten gab und es nicht nur um Sex ging. Danach haben sich alle gesehnt, alle haben sich das erhofft. Ich will nicht, dass das verloren geht.“
Das neue Album besticht mit federleichten Arrangements von 14 Standards, darunter ein Duett mit ihrem Vater beim flotten „Walkin' My Baby Back Home“. „Das war eine sehr bewusste Entscheidung. Ich wollte nicht noch eine Ballade machen. Die Lieder auf 'Unforgettable' stehen für sich, das ist ein außerordentlicher Moment, der nicht wiederholt werden kann. Deshalb habe ich etwas Leichtes, Frisches und Lustiges ausgesucht.“
Geplant war ursprünglich eine Tournee, die im kommenden Frühjahr auch nach Deutschland führen sollte. Dazu sollte eine deutsche Big Band engagiert werden. Für Oktober wurden aber erst einmal alle Termine abgesagt.
http://www.nataliecole.com (AP)
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