Brüssel – Nach dem Skandal um verseuchtes Milchpulver in China hat die Europäische Union ein totales Einfuhrverbot für chinesische Babynahrung mit Milchbestandteilen verhängt. Zugleich stellte die EU-Kommission am Donnerstag schärfere Kontrollen von alle anderen Lebensmittelimporten aus der Volksrepublik in Aussicht. Die Maßnahmen wurden beschlossen, obwohl die Verbraucher in Europa bislang kaum von dem Babymilch-Skandal in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Alle Lebensmittel aus China, die mehr als 15 Prozent Milchbestandteile enthielten, würden künftig strengen Tests unterzogen, erklärte EU-Sprecherin Nina Papadoulaki vor Journalisten in Brüssel. Bei Produkten, die bereits auf dem Mark seien, würden Stichproben vorgenommen. Die Maßnahmen sollen am morgigen Freitag in Kraft treten.
Die Europäische Union importiert zwar keine reinen Milchprodukte aus China, wohl aber Lebensmittel wie Schokolade, Kekse oder Fertigsuppen, die Milchbestandteile enthalten können. Papadoulaki beruhigte allerdings die Verbraucher in der EU. Verschärfte Kontrolle, die in der vergangenen Woche eingeführt worden seien, hätten noch keine Hinweise auf eine Verseuchung solcher Produkte mit Melamin erbracht. Gleichwohl habe sich die Kommission für vorbeugende Vorsichtsmaßnahmen entschieden.
Die Chemikalie Melamin wurde in China zur betrügerischen Erhöhung des Proteingehalts in Babymilchpulver gemischt. Dies löste bei vielen kleinen Konsumenten Nierensteine aus. Mindestens vier Babys sind bislang gestorben, etwa 53.000 erkrankten.
EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou rief die europäische Nahrungsmittelindustrie dazu auf, die Überwachung ihrer Importe ebenfalls zu verstärken. Es gebe Informationen, dass chinesischer Joghurt illegal nach Italien eingeführt worden sei, sagte sie der „Frankfurter Rundschau“. (AP)
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