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Krebsforschung

Deutscher Tumorforscher zur Hausen gewinnt Medizin-Nobelpreis

20 Jahre Leiter des Heidelberger Krebsforschungszentrums

AP
06.10.2008

Heute im Karolonska Institut: Bekanntgabe der drei Preisträger des Nobelpreises für Medizin, Harald zur Hausen, Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier. (AP Photo/Claudio Bresciani)

Heidelberg/Stockholm – Der Heidelberger Tumorforscher Harald zur Hausen erhält den diesjährigen Medizinnobelpreis. Er teilt sich die Auszeichnung mit den französischen Aidsforschern Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier. Das Karolinska-Institut würdigte den 72-jährigen zur Hausen für die Entdeckung der sogenannten Papillomviren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen.

Der Virologe, der 20 Jahre lang des Heidelberger Krebsforschungszentrum geleitet und zu einer weltweit führenden Einrichtung gemacht hat, äußerte sich in einer ersten Reaktion völlig überrascht von der Auszeichnung. „Ich bin nicht darauf vorbereitet. Wir trinken gerade ein Gläschen Sekt“, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Er wisse auch noch gar nicht, was er mit dem Preisgeld machen wolle, berichtete er. Heute werde es jedenfalls keine große Feier mehr geben.

Zur Hausen erhielt den mit zehn Millionen Kronen (1,02 Millionen Euro) dotierten Preis zur Hälfte zugesprochen. Die französische Direktorin des Pariser Pasteur-Instituts Barre-Sinoussi und ihr Kollege Montagnier wurden für ihre Rolle bei der Entdeckung von HIV, des Aids auslösenden Virus, ausgezeichnet.

Entdeckung wesentlich auch für Impfstoffentwicklung

Das Nobelpreis-Komitee würdigte die Arbeit zur Hausens, der „gegen ein verbreitetes Dogma angegangen“ sei, als er die Bedeutung des Virus' für die Entstehung des Gebärmutterhalskrebses und damit der zweithäufigsten Tumorerkrankung bei Frauen entdeckt habe. Seine Entdeckung habe nicht nur die Beschreibung des Infektions- und Krankheitsverlaufs, sondern auch die Entwicklung von Impfstoffen gegen eine Ansteckung möglich gemacht, lobte das Karolinska-Institut.

Die Entwicklung des inzwischen verfügbaren Impfstoffes ist allerdings nicht von zur Hausen und seinem Team vorgenommen worden, wie der Forscher bedauernd berichtete. Er habe sich seinerzeit um eine solche Entwicklung bemüht. Das sei aber gescheitert, weil das beteiligte Pharmaunternehmen in einer Marktanalyse keine Chancen für das Produkt gesehen habe.

Zur Hausen selbst erreichte am Montag, gegen 10.45 Uhr, der Anruf aus Stockholm, wie er berichtete. Um 11.30 Uhr wurde er als Preisträger offiziell verkündet.

In den Jahren 1983 und 1984 hatten zur Hausen und seine Mitarbeiter die bahnbrechende Entdeckung der Papillomviren gemacht. „Das liegt schon einige Zeit zurück“, sagte zur Hausen jetzt. „Aber wir haben in der Folge sehr viel gearbeitet.“

Seit fünf Jahren ist zur Hausen nun schon emeritiert. Aber er hat immer noch ein Büro und ein Labor im Heidelberger Krebsforschungszentrum. Dort erreichte ihn am Montag auch die Nachricht von der Ehrung. Zudem ist der auch zuvor schon vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler Chefredakteur der Fachzeitschrift „International Journal of Cancer“. (AP)

 

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