Posen – Die Folgen des Klimawandels werden nach Einschätzung der Vereinten Nationen jährlich Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat zwingen. Stürme, Überschwemmungen und immer weniger Niederschläge würden vor allem die Ärmsten der Welt treffen, sagte Jose Riera vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Mittwoch auf der UN-Klimakonferenz in Posen (Poznan). UN und Rotes Kreuz forderten die internationale Gemeinschaft daher auf, sich verstärkt um Unterstützung für die Klimaflüchtlinge zu bemühen.
Die klimatischen Bedingungen seien schon immer ein Faktor gewesen, der Menschen aus bestimmten Gegenden vertrieben habe, „aber nicht der Hauptgrund“, sagte Riera. In den kommenden Jahren könnte das Klima hier jedoch „plötzlich zum wichtigsten Einflussfaktor werden“.
Nach konservativen Schätzungen sei mit rund 250 Millionen Klimaflüchtlingen bis zum Jahr 2050 zu rechnen, erklärte Riera weiter. Damit kämen zu den jährlich zehn Millionen Flüchtlingen, um die sich das UNHCR kümmere, sechs Millionen weitere hinzu. Die meisten Menschen dürften in ihren Heimatländern in die Flucht getrieben werden. Am stärksten getroffen sein werden demnach Entwicklungsländer, die am wenigsten auf Hilfsmaßnahmen vorbereitet sind. Die internationale Gemeinschaft müsse daher klären, wer sich um diese Menschen kümmere oder welche Rechte ihnen zustehen sollten, sagte Riera.
Maßnahmen gegen Risiken des Klimawandels gefordert
UN und Rotes Kreuz forderten, die Menschen müssten besser auf die Risiken des Klimawandels vorbereitet werden. Der Aufwand dafür könne sich jährlich auf Zehntausende Dollar summieren, sagte Reid Basher von UN International Strategy for Disaster Reduction. Mit jedem investierten Dollar könne man aber zwischen drei und zehn Dollar an Ausgaben für Rettungsmaßnahmen einsparen, erklärte Bekele Geleta, der Generalsekretär des Internationalen Verbandes von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond. Extreme Wetterbedingungen müssten damit nicht automatisch zu Katastrophen führen, betonte Geleta.
„Das war zu optimistisch“
Die Verhandlungen in Posen kommen unterdessen kaum voran. Das Ziel, im kommenden Jahr in Kopenhagen ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll von 1997 beschließen zu können, scheint vielen Beobachtern nicht mehr realistisch. „Das war zu optimistisch“, sagte Eileen Claussen, Präsidentin des Pew Centers zum globalen Klimawandel, das die Entscheidungen des US-Kongresses in dieser Frage überprüft. Die Regierung des künftigen Präsidenten Barack Obama werde es nicht schaffen, rechtzeitig die notwendigen Gesetze zu verabschieden, um mit konkreten Zusagen in Kopenhagen auftreten zu können.
Der UN-Klimabeauftragte Yvo de Boer betont zwar immer wieder, dass das neue Rahmenabkommen bis zum nächsten Jahr stehen sollte. Aber auch er sieht weiterhin große Probleme, besonders wenn es um Detailfragen geht. „Müssen wir uns auf das letzte Komma in jeder Regelung des letzten Aspekts des Kopenhagener Abkommens verständigen? Ober brauchen wir eine politische Verständigung auf die wesentlichen Elemente“, erklärte de Boer schon vor Beginn der Klimakonferenz.
Dynamik könnte verloren gehen
Ob eine solche Grundsatzvereinbarung von den Parlamenten ratifiziert werden wird, scheint aber noch unsicher. Der US-Kongress werde nur ein echtes Abkommen billigen, ist sich Alden Meyer von der Vereinigung besorgter Wissenschaftler sicher. Ein Verzicht auf den Stichtag würde aber den Druck von den Unterhändlern nehmen und einen Rückschritt bedeuten, sagte Meyer. „Wenn es in Kopenhagen keine Entscheidung gibt, dann geht die politische Dynamik verloren, die wir aufgebaut haben“, sagte Meyer. „Was wird dann der nächste Stichtag?“ (AP)
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